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	<title>Joachim Zelter</title>
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	<description>Schriftsteller</description>
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		<title>untertan</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 14:18:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zelter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbeschreibungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Joachim Zelter  ׀ untertan ׀ Roman Erscheint im August 2012 216 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag € 18,90 ISBN 978-3-86351-035-0 E-Book. ISBN 978-3-86351-203-3 Verlagsinfos: Aus dem Verlagsprospekt: Hier ist er: Heinrich Manns Roman DER UNTERTAN ganz anders, neu erzählt für unsere Zeit. Mit großem menschlichem Gespür erzählt Joachim Zelter, was längst überfällig war: die Entwicklungsgeschichte des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Joachim Zelter  ׀ untertan ׀ Roman<br />
Erscheint im August 2012<br />
216 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag<br />
€ 18,90<br />
ISBN 978-3-86351-035-0<br />
E-Book. ISBN 978-3-86351-203-3</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><a href="http://www.kloepfer-meyer.de/default.asp?Menue=10&amp;Buch=195">Verlagsinfos:</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Aus dem Verlagsprospekt:</strong></p>
<p>Hier ist er: Heinrich Manns Roman DER UNTERTAN ganz anders, neu erzählt für unsere Zeit. Mit großem menschlichem Gespür erzählt Joachim Zelter, was längst überfällig war: die Entwicklungsgeschichte des modernen Untertanen in der Welt von heute, erzählt von der frühen Schulzeit bis zum Erwachsenenalter, von den Siebzigerjahren bis in die Jetztzeit. Ein Psychogramm, ein gesellschaftliches Sittengemälde individueller wie kollektiver Anpassung – und menschlicher Entfremdung. Unnachahmlich beschreibt Joachim Zelter das Zusammenspiel von Selbst­verleugnung, Nicht-Sein und Aufgehen im Anderen, im Mächtigen und im geschichtlich Werdenden. Am Ende erzählt der Roman unser aller Geschichte: Wie wir zu dem geworden sind, was wir heute sind.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Textausschnitte:</strong></p>
<p>»Friederich Ostertag war ein verträumtes Kind, das kaum wusste, wie ihm geschah oder was man von ihm eigentlich wollte. Oft fühlte er sich blutleer, so als wäre er soeben krank geworden oder verstorben und würde nur noch zum Schein weiterleben, ein Scheinlebender in den überwarmen Zimmern des Elternhauses.«</p>
<p>»Er saß in der ersten Reihe. Und er saß meist schon fünf Minuten vor dem Unterricht. Und auch noch fünf Minuten nach dem Unterricht. Er saß andächtig, so als wollte er bedeuten: Alles bestens. Oder er meldete sich ungestüm, in der Hoffnung, gerade dann nicht aufgerufen zu werden. Die Gebärden eines Ertrinkenden, der Spaziergängern zuruft: Aber nein. Ich gehe gar nicht unter. Ich winke nur &#8230;«</p>
<p>»Hätte man ihn gefragt, ob sich das alles gelohnt habe, jahrelang an einer Doktorarbeit zu arbeiten, dann hätte er geantwortet: Ja, natürlich habe sich das gelohnt, allein schon wegen von Contis Cousine hat sich das gelohnt. Welcher Doktorand erlebte je eine solche Cousine. Die meisten Doktoranden erleben gar nichts. Das reinste Nichts. Die völlige Nichtigkeit von alldem.«</p>
<p>»Das Undenkbare wieder denken zu lernen, das Unaussprechbare wenigstens einmal aussprechen dürfen. Eine neue Form von Bindung und Gliederung und Steigerung. Wie immer man das im Einzelnen auch nennen könnte. Eine Art &#8230; – ja, warum nicht, eine Art Monarchie. Ob nun konstitutionelle Monarchie, parlamentarische Monarchie, liberale Monarchie. Oder auch andere Formen von Monarchie: Anstandsmonarchie, Vernunftmonarchie, Begeisterungsmonarchie, Contimonarchie, Contikratie &#8230;«</p>
<p>»Für eine gewaltige, unbeschreibliche Summe Geld die europäischen Sprachen zu verkaufen. So wie man Flüsse oder Berge verkauft. Oder Wasser und Strom. Oder wie jede andere Sache von Wert. So könnte man auch Sprachen verkaufen.«<br class="spacer_" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Welt in Weiß</title>
		<link>http://joachimzelter.de/die-welt-in-weis/</link>
		<comments>http://joachimzelter.de/die-welt-in-weis/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 30 Nov 2010 15:21:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zelter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbeschreibungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Betrachtungen eines Krankenhausgängers und andere Erzählungen Tübingen: Klöpfer &#38; Meyer, 2011 ca. 140 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-86351-001-5 Verlagsinfos:    Aus der Verlagsvorschau: „Schon mein Großvater hatte Angst vor Ärzten. Nie besuchte er einen Arzt, ein Krankenhaus, nicht einmal Freunde im Krankenhaus … Alles Ärztliche wies er von sich mit den Worten: Er lasse [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Betrachtungen eines Krankenhausgängers<br />
und andere Erzählungen<br />
Tübingen: Klöpfer &amp; Meyer, 2011<br />
ca. 140 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag<br />
ISBN: 978-3-86351-001-5</p>
<p><a href="http://www.kloepfer-meyer.de/default.asp?Menue=35&amp;Buch=154">Verlagsinfos:</a></p>
<p><strong> </strong> </p>
<p><strong>Aus der Verlagsvorschau:<br />
</strong><br />
„Schon mein Großvater hatte Angst vor Ärzten. Nie besuchte er einen Arzt, ein Krankenhaus, nicht einmal Freunde im Krankenhaus … Alles Ärztliche wies er von sich mit den Worten: Er lasse sich doch nicht zu Tode therapieren. Bei einer Wanderung erlitt er während einer Rast einen Schwächeanfall. Er wurde ohnmächtig. Passanten riefen einen Krankenwagen. Die Sirenen  des Notarztwagens waren schon zu hören, da richtete er sich auf und rief mir zu: Halte sie auf!“</p>
<p>Acht vom Autor eigens für diesen Band zusammengestellte oder neu geschriebene Erzählungen  – jede von ihnen führt in eine andere Welt in Weiß, in eine andere Krankenwelt. Ein wahres Multiversum an Geschichten, Begebenheiten, Einwänden und Beobachtungen von tragikomischer Eigenwilligkeit und skurriler Schärfe.</p>
<p>Mit meisterlichem Gespür dringt Joachim Zelter in die Welt seiner Krankenhelden ein, zeichnet sie als liebenswerte „Antihelden“, als Klinikneurotiker und Hypochonder im fortgeschrittenen Stadium: Wiedergänger von Molieres eingebildetem Kranken und zugleich Protagonisten der menschlichsten aller menschlichen Schwächen überhaupt: der Angst und der Furcht.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><a href="http://joachimzelter.de/wp-content/uploads/2010/11/Vorschau-Welt-in-Weiß.pdf">Vorschau Welt in Weiß als PDF</a><a href="http://joachimzelter.de/wp-content/uploads/2010/11/Vorschau-Welt-in-Weiß.pdf"> </a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Pressestimmen:</strong></p>
<p>„Was Joachim Zelter aus der Möglichkeit des Patienten, zwischen Teil- und Vollnarkose zu wählen, an grotesker Komik herausholt, verdient allerhöchste Bewunderung.“<strong> <br />
Stuttgarter Zeitung   </strong></p>
<p>„Das aufgeklärte Hypochondertum eines Patienten, der sich mit Akribie und gezähmter Panik auf seinen Eingriff vorbereitet: Der sich von seiner Partnerin typische Klinikspeisen kochen lässt. Der mit dem Feldstecher in OP-Säle spannt. Und der die Anästhesiologie studiert. All die Erörterungen, Überlegungen und Vorbereitungen, die nach Ansicht des Protagonisten vor dem potentiellen Tod im OP getroffen werden wollen &#8230;“ <br />
<strong>Schwäbisches Tagblatt </strong></p>
<p>„Genau darin liegt die Meisterschaft des Erzählers Joachim Zelter, dass er Spannungsbögen und Pointen millimetergenau setzen kann, dass seine Geschichten eine ulkige und eine tiefernste Lesart zulassen, dass er stets im Komischen das typisch Menschliche, Endliche, Tragische aufspürt.“<br />
<strong>Süddeutsche Zeitung</strong></p>
<p>„Zelter schafft es mühelos, die Wahlfreiheit zwischen Vollnarkose und Spinalanästhesie in literarische Höhen zu bringen, in denen man Neurotiker lieben lernt.“<br />
<strong>Lindauer Zeitung</strong></p>
<p> „Hypochonder haben es nicht leicht. Zum Trost aber gibt es dieses  Buch, das ihnen aus der Seele spricht.“<br />
<strong>Südwest Presse   </strong></p>
<p>„Die Leiden der Hypochonder sind zahlreich.“<br />
<strong>Presse</strong></p>
<p>„Eine wahre Freude wie der Autor mit den Worten spielt. Ein Trost für jeden Krankenhausgänger und Hypochonder.“<br />
<strong>Literaturkritik</strong></p>
<p>„Einem Hypochonder kurz vor der Operation sollte man die <em>Welt ein Weiß</em> besser nicht schenken.“<br />
<strong>Leipzig Live</strong></p>
<p>„Mit meisterhaften Gespür dringt Joachim Zelter in das Leben seiner Krankenhelden ein.“<br />
<strong>Schwarzwälder Bote</strong></p>
<p>„Voll von Situationskomik und -Dramatik.“<br />
<strong>Mannheimer Morgen</strong></p>
<p>„Die Welt in Weiß hat es dem Tübinger Autor Joachim Zelter offensichtlich angetan: In acht Erzählungen führt er Klinikneurotiker und Hypochonder vor <br />
und zeigt mit seiner grotesken Sprachverdreherei, was es im Krankenhaus zu entdecken gilt.“<br />
<strong>Xaver </strong></p>
<p><strong><!-- window.document.getElementById('Presse').style.display='none'; // --></strong>„Ein begnadeter Neurotiker.&#8221;<br />
<strong><a href="http://www.suite101.de/content/die-welt-in-weiss-krankengeschichten-von-joachim-zelter-a110558">suite.101.de</a></strong></p>
<p>„Der Leser sollte sich die Zeit nehmen und wirklich Wort für Wort lesen, denn die Tiefe steckt im Detail.“<br />
<strong><a href="http://www.gedankenspinner.de/?s=Zelter">Gedankenspinner.de</a></strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Ministerpräsident</title>
		<link>http://joachimzelter.de/uu/</link>
		<comments>http://joachimzelter.de/uu/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 10:27:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zelter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Publikationen]]></category>

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		<description><![CDATA[Roman Tübingen: Klöpfer &#38; Meyer, August 2010 ISBN 978-3-940086-83-9 2. Aufl. September 2010 3. Aufl. Frühjahr 2011 190 Seiten geb. mit Schutzumschlag € 18,90 Taschenbuchausgabe, März 2012 ISBN 978-3-86351-103-6 € 9,95 Als E-Book erhältlich unter ISBN 978-3-940086-94-5 Verlagsinfos Verlagsvorschau im PDF Format Textausschnitte: »Dass das eine Einheit sei: Claus Urspring und Ministerpräsident. Dass das eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Roman<br />
Tübingen: Klöpfer &amp; Meyer, August 2010<br />
ISBN 978-3-940086-83-9<br />
2. Aufl. September 2010<br />
3. Aufl. Frühjahr 2011<br />
190 Seiten<br />
geb. mit Schutzumschlag<br />
€ 18,90</p>
<p>Taschenbuchausgabe, März 2012<br />
ISBN 978-3-86351-103-6<br />
€ 9,95</p>
<p>Als E-Book erhältlich unter<br />
ISBN 978-3-940086-94-5</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><a href="http://www.kloepfer-meyer.de/default.asp?Menue=35&amp;Buch=140">Verlagsinfos</a><br />
<a href="http://artbuero.bplaced.net/wp-content/uploads/2010/07/pdf5.pdf">Verlagsvorschau im PDF Format</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Textausschnitte:</strong></p>
<p><strong>»D</strong>ass das eine Einheit sei: Claus Urspring und Ministerpräsident. Dass das eine ohne das andere undenkbar sei, ein Ministerpräsident ohne Claus Urspring, oder ein Claus Urspring, der nicht mehr Ministerpräsident sei. Dass das untrennbar sei. Durch nichts und niemanden zu ersetzen. Oder zu überbieten.«</p>
<p>»Wahlkampf. Das klang wie Abitur oder Leben und Tod oder Jüngstes Gericht.«</p>
<p>»Dass es in einer Wahl nicht um Ideen gehe. Im Gegenteil. Es gehe um die Abwesenheit von Ideen. Oder darum, Ideen glaubwürdig zu verbergen. Oder sie zumindest so lange zu schleifen, bis sie keinen Schaden mehr anrichten. Darum gehe es.«</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Aus dem Verlagsprospekt:</strong></p>
<p>»Dass er einen Autounfall hatte, dass dabei einiges passiert sei, insbesondere in seinem Kopf und mit seinem Gedächtnis. Dass er zehn Tage im Koma gelegen habe und erst seit Kurzem wieder wach sei &#8230; Und: dass er Claus Urspring heiße und er Ministerpräsident sei und es auch bleiben werde – ein politischer Begriff, ein Inbild der Vertrautheit und Unverrückbarkeit, der kurz vor einem alles entscheidenden Wahlkampf stehe … All das und noch einiges mehr erfährt Claus Urspring, ein von Wahlkampfhelfern und politischen Beratern Getriebener, ein soufflierter und inszenierter Mensch, der seit seinem Unfall kaum mehr weiß, wer er einmal war und was mit ihm eigentlich ist.«</p>
<p>»Zwischen liebenswerter Ahnungslosigkeit und kindlichem Erstaunen, zwischen Fremdsteuerung und eigensinniger Selbstbehauptung erzählt der Roman einen um Erinnerungen und Selbstfindung ringenden Helden, der sich in einer Welt wieder findet, in der Politik nur noch leere Inszenierung und inhaltloser Schein ist.«</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Stimmen:</strong></p>
<p>»Chapeau! Ein radikales – und zugleich ein unendlich leises und zartes Buch: Die politisch instrumentalisierte „Genesung“ des nach einem Unfall erinnerungsgestörten Ministerpräsidenten Urspring verstümmelt sein Menschsein bis zur Unkenntlichkeit. Und doch gelingt es ihm, dank der besonderen Zuwendung einer jungen Frau, zu einem neuen, selbstbestimmten Leben zu finden. Joachim Zelters „Ministerpräsident“: ein tiefgründiger Roman über Macht und Moral, geschrieben mit der unnachahmlichen sprachlichen Prägnanz und dem Esprit eines Ausnahmeschriftstellers.«</p>
<p><strong>Manfred Zach</strong></p>
<p><strong> </strong> </p>
<p><strong>Presse:</strong></p>
<p>&#8220;Befreiend komisch. Aus einem Guss erzählt.&#8221;<br />
<strong>Schwäbisches Tagblatt</strong></p>
<p>“Eine komische, prägnante Satire auf den politischen Betrieb.”<br />
<strong>Südwest Presse</strong></p>
<p>&#8220;Zieht den Leser mit Macht und Leichtigkeit durch seinen Erzählstrom. Atemlos gleiten die Sätze voran. Man glaubt den Erzähler flüstern zu hören.&#8221;<br />
<strong>Stuttgarter Zeitung</strong></p>
<p>“Eine bitterböse, am Schluss sehr traurige Satire. Sie entlarvt den Politikbetrieb als zynische Inszenierung.”<br />
<strong>Focus</strong></p>
<p>“Leuchtet auf beinahe märchenhaft wirkende Weise aus, wie Sachzwänge und Rollenmodelle innerhalb der politischen Klasse ein Subjekt zum Objekt zurichten.”<br />
<strong>Der Freitag</strong></p>
<p>“Eine politische Parabel. Die Demaskierung von Auswüchsen des heutigen Politbetriebs gelingt dem Roman spielend.”<br />
<strong>Saarbrücker Zeitung</strong></p>
<p>&#8220;Hochaktuell. Ein Roman, der seine Leser finden wird.&#8221;<br />
<strong>Reutlinger General-Anzeiger</strong></p>
<p>&#8220;Atemberaubend schnell, prägnant und witzig, mit melancholischem Unterton.&#8221;<br />
<strong>Neue Osnabrücker Zeitung</strong></p>
<p>“Eine Satire, und zwar eine sehr gute. Sie zielt nicht darauf, einzelne Personen bloßzustellen, sondern bestimmte Typen.”<br />
<strong>Süddeutsche Zeitung</strong></p>
<p>&#8220;Ein absurdes und scharf beobachtetes politisches Sittenbild.&#8221;<br />
 <strong>WDR</strong></p>
<p>&#8220;Führt die Hohlheit des Politikbetriebs vor.&#8221;<br />
<strong>börsenblatt. Wochenmagazin für den deutschen Buchhandel</strong></p>
<p>&#8220;Es geht um die Inszenierung des Scheins, das Funktionieren und Scheitern von Rollen, die nicht nur für Politiker gelten.&#8221;<br />
<strong>Heilbronner Stimme</strong></p>
<p>&#8220;Ganz Thüringen fiebert auf das Buch.&#8221;<br />
<strong>Thüringische Landeszeitung</strong></p>
<p>&#8220;Meisterlich, auf jeder der fast 200 Seiten ist eine feinbittere, leicht bissige, manchmal aber auch zartsüße oder skurrile Köstlichkeit verborgen.&#8221;<br />
<strong>Schwarzwälder Bote</strong></p>
<p>&#8220;Eine tolle Lektüre.&#8221;<br />
<strong>Hamburger Lokalradio</strong></p>
<p>&#8220;Faszinierender Roman über menschliche Moral und Ethik. Sehr zu empfehlen.&#8221;<br />
<strong>EKZ</strong></p>
<p>&#8220;Das ist einmal ein Roman, dem wirklich viele Leser zu wünschen sind.&#8221;<br />
<strong>Frankfurter Rundschau</strong></p>
<p>&#8220;Blick hinter die Kulissen des politischen Apparats.&#8221;<br />
<strong>Freie Presse</strong></p>
<p>&#8220;Dass die Satire in diesem Fall auch prächtig unterhält, darf nicht vergessen werden.“<br />
<strong>Cicero. Magazin für politische Kultur</strong></p>
<p>“Zelter zeigt  einen um Individualität ringenden Menschen, einen weisen Narr im klassisch-tragikomödischen Sinne. Entstanden ist dabei ein gleichermaßen witzig-komischer wie nachdenklich stimmender Roman.&#8221;<br />
<strong>Literaturkritik.de</strong></p>
<p>&#8220;Mehr als eine politische Satire. Eine Parabel wird erzählt, die auf Wichtigeres zielt: Selbstbehauptung, die voraussetzt, dass ein Selbst zu finden ist fern aller Fremdsteuerung.&#8221;<br />
<strong>Badische Zeitung</strong></p>
<p>&#8220;Ein Roman, der der Politik vergnüglich den Spiegel vorhält. Ebenso dem Wähler, der dem leeren Schein folgt.&#8221;<br />
<strong>Leipziger Volkszeitung</strong></p>
<p>&#8220;Eine Geschichte, die mitten in den Zustand unserer Mediendemokratie zielt.&#8221;<br />
<strong>Buchprofile / Medienprofile</strong></p>
<p>&#8220;So rund und knackig wie nie, so gewohnt geistreich und verwegen geschrieben wie immer. &#8220;<br />
<strong>Xaver</strong></p>
<p>&#8220;Eine sprachlich brillante Satire.&#8221;<br />
<strong>Schwäbische Zeitung</strong></p>
<p>&#8220;Eine in ihrer Schwärze brillante Satire auf die Politik und deren mächtig-ohnmächtige Protagonisten.&#8221;<br />
<strong>Ostthüringer Zeitung</strong></p>
<p>&#8220;Tempogeladen erzählter Wahlkampf-Roman. Entlarvt wie nah die Realität dem Absurden schon ist.&#8221;<br />
<strong>Schwarzwälder Bote</strong></p>
<p>&#8220;Unterhaltsam, humorvoll und fast schon poetisch.&#8221;<br />
<strong>SuR</strong></p>
<p>&#8220;Beklemmende wie desillusionierende Satire auf die aufgeblasene Leerlaufmaschine Politikbetrieb.&#8221; <br />
<strong>Hessische / Niedersächsische Allgemeine Zeitung</strong></p>
<p>&#8220;Wie eine Komposition von Bach.&#8221;<br />
<strong>Badisches Tagblatt</strong></p>
<p>&#8220;Eine bitterböse und streckenweise urkomische Satire. Und eine absolute Leseempfehlung.<br />
<strong><a href="http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/nbderministerpraesident101.html">NDR</a></strong></p>
<p>&#8220;Im Stile eines Wolfgang Koeppen ein schonungsloses Bild der deutschen Politik.&#8221;<br />
<a href="http://www.vorwaerts.de/artikel/der-schauspielpraesident"><em><strong>vor</strong></em><strong>wärts.de</strong></a></p>
<p>&#8220;Ein fulminantes Buch mit dem Zeug zum Kult-Klassiker, das jedem Bücherfreund vor Augen führen wird, warum er gerne liest.&#8221;<br />
<a href="http://www.literaturmarkt.info/cms/front_content.php?idcat=81&amp;idart=3936"><strong>literaturmarkt.info</strong></a></p>
<p>&#8220;Ein Buch, das sich zu lesen lohnt.&#8221;<br />
<strong><a href="http://www.readme.de/rezensionen/der_ministerpraesident.php?mode=normal">readme</a></strong></p>
<p>&#8220;Dieses Buch ist nicht nur eine scharfe Satire auf den Politikbetrieb, es ist auch ein feines und sehr menschliches Psychogramm.&#8221;<br />
<a href="http://puhlswritinglife.blogspot.com/"><strong>http://puhlswritinglife.blogspot.com/</strong></a></p>
<p>“Brillante Politsatire. Assoziationen an den frühen, ekstatischen Thomas Bernhard.”<br />
<strong><a href="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/6499496/">begleitschreiben.de</a></strong></p>
<p>&#8220;Eine absolute Leseempfehlung für den Bücherherbst 2010 und darüber hinaus.&#8221;<br />
<strong><a href="http://www.literaturcafe.de/buchtipp-joachim-zelter-ministerpraesident-baden-wuerttemberg/">literaturcafe.de</a></strong></p>
<p>„Ich wünsche dem Ministerpräsidenten viele, viele Leser.&#8221;<br />
<a href="http://www.misstilly.de/"><strong>http://www.misstilly.de</strong></a></p>
<p>&#8220;Witzig, böse, übertrieben, wie Satire sein soll.&#8221;<br />
<a href="http://www.lesenswert.de/"><strong>www.lesenswert.de</strong></a></p>
<p>&#8220;Eine wunderbare Politsatire. Meisterhaft spielt Zelter mit der Sprache.&#8221;<br />
<a href="http://www.lesenblog.de/2010/12/25/zeoeter_ministerpraesident/"><strong>http://www.lesenblog.de</strong></a></p>
<p>&#8220;Vergnüglich, kurzweilig, politisch.&#8221;<br />
<a href="http://www.hamburgershortlist.de/index.php?p=empfehlung.joachim-zelter-der-ministerpraesident"><strong>hamburger shortlist</strong></a></p>
<p>&#8220;Roman qui tient en haleine d&#8217;un bout à l&#8217;autre. Le narrateur manie avec le même talent l&#8217;ironie, la tendresse, le décalage. Un vrai régal!&#8221;<br />
<strong><a href="http://www.goethe.de/ins/fr/bor/prj/lit/210/atr/zel/frindex.htm">Courrier Littérature allemende</a></strong></p>
<p><strong> </strong> </p>
<p><strong>Hörproben:</strong></p>
<p style="text-align: left;"> <br />
<strong>Auszüge aus: Der Ministerpräsident. </strong></p>
<div> </div>
<p style="text-align: left;"><strong> </strong> </p>
<p style="text-align: left;"><strong>Interview:</strong></p>
<p><a href="http://www.literaturcafe.de/joachim-zelter-interview-ministerpraesident-buchmesse-podcast-2010/">Interview in: literaturcafe.de / Buchmesse-Podcast (2010)</a> </p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: center;">Nominiert auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2010</p>
<p style="text-align: center;">Weitere Infos unter: <a href="http://www.kloepfer-meyer.de/default.asp?Menue=7&amp;ShowNews=159">Klöpfer &amp; Meyer</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong><br />
</strong></p>
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		<title>Thüringische Landeszeitung</title>
		<link>http://joachimzelter.de/thuringische-landeszeitung/</link>
		<comments>http://joachimzelter.de/thuringische-landeszeitung/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 06 Sep 2010 09:17:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zelter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews_texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Montag, den 06.09.2010 Die Fragen stellte Hartmut Kaczmarek Es drängen sich Parallelen zum Fall des früheren thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus auf. Wieviel Althaus ist in Urspring? Die Ausgangssituation in meinem Roman ist eine ähnliche wie beim ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten. Ein Ministerpräsident hat einen Unfall und liegt einige Zeit im Koma. Was dann folgt, ist in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Montag, den 06.09.2010<br />
Die Fragen stellte Hartmut Kaczmarek</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><em>Es drängen sich Parallelen zum Fall des früheren thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus auf. Wieviel Althaus ist in Urspring?</em></p>
<p>Die Ausgangssituation in meinem Roman ist eine ähnliche wie beim ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten. Ein Ministerpräsident hat einen Unfall und liegt einige Zeit im Koma. Was dann folgt, ist in meinem Roman jedoch frei erfunden. Claus Urspring, mein Ministerpräsident, ist eine fiktive Figur. Er ist ein Ministerpräsident wie ich ihn mir als politischer Laie vorstelle.</p>
<p><em>Haben Sie sich bei der Beschreibung anderer Personen in Ihrem Roman &#8211; beispielsweise des Beraters März oder des Fraktionsvorsitzenden &#8211; an realen Personen orientiert, weil es auffällige Parallelen zu Personen im Umfeld von Herrn Althaus gibt? Oder ist es reine Fiktion, weil im Umfeld von Spitzenpolitikern Berater und Mitarbeiter eben so „ticken“, wie Sie sie beschreiben.</em></p>
<p>Ich muss gestehen: Ich kenne die thüringische Landespolitik überhaupt nicht. Der Roman spielt in Baden-Württemberg, weil mir dieses Terrain wesentlich vertrauter ist. Mein Roman könnte aber genauso gut in jedem anderen Bundesland spielen. Ich sehe meinen Roman als politische Satire, und es ist ein wesentliches Kennzeichen der Satire, dass sie nicht real existierende Personen abbildet, sondern vielmehr eine Gattung, eine Typologie, eine Struktur beschreibt.</p>
<p><em>Sie beschreiben und überspitzen den Politikbetrieb in Ihrem Roman. Lautet Ihre Botschaft: Vergesst hinter dem Politiker den Menschen nicht? Beispielsweise wenn Sie schreiben: Es geht im Wahlkampf nicht um einzelne Menschen, sondern um Mehrheiten.</em></p>
<p>Eine wichtige Figur in Shakespeares Königsdramen ist der Narr. In meinem Roman sind Narr und Herrscher eine Person. Mein Ministerpräsident ist einerseits Amtsträger, aber er erlebt sein Amt nach seinem Unfall in völliger Ahnungs- und Arglosigkeit. Genau deshalb kann er an den politischen Betrieb fundamental kritische Fragen richten. Gleich einem arglosen Kind. In einer Art und Weise, wie das ein „funktionierender“ Politiker niemals könnte. Mein Ministerpräsident kann damit alles und jeden, ja sogar sich selbst immer wieder in Frage stellen. Dies eröffnet meinem Roman eine menschliche und zugleich systemkritische Perspektive.</p>
<p><em>Haben Sie in Thüringen recherchiert und wenn ja, welche Quellen haben Sie benutzt?</em></p>
<p>Ich recherchiere eigentlich nie beim Schreiben meiner Romane. Ich schreibe eher intuitiv, schöpfe aus meiner Phantasie, setze voraus, dass Politik oftmals in gleichförmigen, immer wiederkehrenden Strukturen abläuft. Machiavelli schrieb zum Beispiel vor annähernd 500 Jahren: Nichts sei in der Politik notwendiger als der Schein. Man könnte diesen Satz unbelassen auch auf die heutige Politik übertragen. Erst recht, wenn die gesamte politische Existenz eines Amtsträgers auf Wahl bzw. Wiederwahl gründet.</p>
<p><em>Wollen Sie mit Ihrem Buch auch auf die teilweise Unmenschlichkeit des Politikbetriebs aufmerksam machen, der Personen nur noch instrumentalisiert?</em></p>
<p>Man kann es Unmenschlichkeit nennen, aber auch Entfremdung, die Entfremdung des Politikers von sich selbst oder von dem, was er tatsächlich für richtig hält. Die eigene Persönlichkeit, die eigene Überzeugung verschwindet dabei hinter einem Panzer vorgestanzter Phrasen, hinter einer Charaktermaske oder einem inszenierten Als-Ob. Sehr vieles dabei ist gesinnungsethische Wirkungsästhetik und wahltaktische Fehlervermeidung, stets getrieben von dem Primat von Meinungsumfragen und Sonntagsfragen.</p>
<p><em>Das Polit-Playback ist eine Überspitzung für die Worthülsen, die im Wahlkampf gang und gäbe sind. Welche Form des Wahlkampfes würden Sie den Politikern empfehlen?</em></p>
<p>Das weiß ich nicht. Der Ministerpräsident in meinem Roman hält den Wahlkampf irgendwann nicht mehr aus und fährt mit dem Fahrrad seinem eigenen Wahlkampf davon. Vielleicht sollte man das Politikern empfehlen.</p>
<p><em>Wie sind Sie auf das Thema aufmerksam geworden? Durch den Unfall von Ex-MP Althaus und die darauffolgenden Ereignisse?</em></p>
<p>Durch die Abendnachrichten, durch Zeitungsartikel. Doch dies war nur ein äußerer Anstoß. Es gab auch schon andere Ministerpräsidenten in der Geschichte der Bundesrepublik, die kurz vor einem Wahlkampf verunglückt sind, zum Beispiel Uwe Barschel, der in den achtziger Jahren vor einem Wahlkampf mit einem Flugzeug abgestürzt ist. Was mich in all meinen Romanen immer interessiert: die Komik und Tragik von Menschen, die eine Rolle ausfüllen sollen, die sie (wie etwa nach einem Unfall) gar nicht mehr wirklich ausfüllen können. Mein Ministerpräsident gleicht einem Schüler, der etwas lernen oder sich aneignen soll, das er gar nicht (mehr) wirklich will oder begreift. Nicht ohne Grund heißt mein Ministerpräsident Urspring, das ist der Name meiner früheren Schule. Mein Roman ist deshalb nicht nur ein politischer Roman, sondern auch ein Existenz-, ein Erinnerungs-, ein Schulroman. Es geht darin auch um ganz allgemeine Themen wie Eigenständigkeit, Fremdbestimmung und Entfremdung.</p>
<p><em>Sie hinterfragen auch die Personifizierung der Politik: „Wie kann ein einzelner Mensch Hunderttausende von Arbeitsplätzen retten?“, fragt an einer Stelle die behandelnde Ärztin. Ist Ihnen die Politik zu sehr verkürzt, nicht an der Sache orientiert?</em></p>
<p>Nietzsche schrieb einmal: Denn nur als ästhetisches Phänomen ist das Dasein und die Welt gerechtfertigt. Der Satz gilt heute mehr denn je auch für die Politik. Der reale sachpolitische Handlungs- und Entscheidungsspielraum ist für einen Ministerpräsidenten heute eher gering. Was als Differenzkriterium zwischen den Politikern oder den Parteien bleibt, das ist die Personifizierung, die Inszenierung, die gesinnungsethische Wirkung von Sprache. Nicht ohne Grund weiß mein Ministerpräsident noch nicht einmal, welcher Partei er eigentlich angehört. Das ist heutzutage auch fast unerheblich.</p>
<p><em>Welche Botschaft sollten die politischen Akteure aus Ihrem Roman und aus dem Fall Althaus ziehen?</em></p>
<p>Ich möchte mit meinem Roman keine Botschaften übermitteln, sondern eher zum Nachdenken anregen. Vielleicht sollte jeder Politiker sich einen Narren zulegen. Gemäß dem Satz von Shakespeare: <em>That fools may speak wisely what wisemen do foolishly</em>.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>Junge Welt</title>
		<link>http://joachimzelter.de/junge-welt/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 06:07:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zelter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews_texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Donnerstag, 26. August, 2010, Nr.197 Die Fragen stellte Sigrid Lehmann Herr Zelter, in Ihrem neuesten Roman „Der Ministerpräsident“ zeichnen Sie das Bild einer inhaltsleer gewordenen Politmaschinerie. Beziehen Sie sich auf die aktuelle Situation in der Bundesrepublik? Ja, die aktuelle Politik ist in meinem Roman vielfach präsent. Der Roman ist bewusst in Baden-Württemberg angesiedelt. Hier war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: small;"><br />
Donnerstag, 26. August, 2010, Nr.197<br />
</span><span style="font-size: small;">Die Fragen stellte Sigrid Lehmann<br class="spacer_" /></span></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><em>Herr Zelter, in Ihrem neuesten Roman „Der Ministerpräsident“ zeichnen Sie das Bild einer inhaltsleer gewordenen Politmaschinerie. Beziehen Sie sich auf die aktuelle Situation in der Bundesrepublik?</em></p>
<p>Ja, die aktuelle Politik ist in meinem Roman vielfach präsent. Der Roman ist bewusst in Baden-Württemberg angesiedelt. Hier war seit Bestehen der BRD immer die CDU (wenn auch mit wechselnden Koalitionspartnern) an der Macht. Man würde einen Regierungswechsel dort tatsächlich als einen Untergang einer natürlichen Ordnung empfinden. In meinem Roman hält die Partei und das Umfeld des Ministerpräsidenten mit aller Macht an ihm fest, obgleich er in keiner Weise mehr arbeitsfähig ist. Man will alles, bloß keine Veränderung.</p>
<p><em>Haben Sie an Althaus gedacht, als Sie das Buch der Ministerpräsident geschrieben haben?</em></p>
<p>Auch an Althaus habe ich gedacht – aber auch an viele andere. Als Althaus verunglückt ist, hat einer der ihn behandelnden Ärzte im Fernsehen gesagt: „Er weiß, dass er Ministerpräsident ist und er will es auch bleiben.“ Ich fand diesen Satz geradezu grotesk. Ich dachte mir: Das ist ja eine schmale Grundlage um Ministerpräsident zu bleiben: Er <em>weiß</em>, dass er es ist … Aber der Fall Althaus war nur ein Anstoß. Der Roman könnte von allen Ministerpräsidenten oder Politikern der Bundesrepublik handeln.</p>
<p><em>Warum ist jeder Ministerpräsident Ihrer Meinung nach zwangsläufig charakterlos?</em></p>
<p>Nicht unbedingt charakterlos, eher entpersönlicht, funktionalisiert, von allem Eigenen abgetrennt. Selbst das Private dient der öffentlichen Inszenierung. Und die Wiederwahl ist die Maxime alles Denkens und Handelns. Wenn ein Politiker so hoch gekommen ist, sind bis dahin auch ständige Anpassungsprozesse passiert. Oft ist so ein hoher Politiker innerlich völlig tot, nur noch eine Charaktermaske, ein Sammelsurium von Phrasen. Sie wissen wahrscheinlich selbst nicht mehr, was Innen und was Außen ist. Das geht aber allen Karrieristen so, an der Universität wie in der Kirche wie…</p>
<p><em>Wirklich allen?</em></p>
<p>Naja, obwohl ich z.B. nicht wirklich ein Fan von Joachim Gauck bin, war er als Quereinsteiger bei der Bundespräsidentenwahl ein ungewöhnlicher Kandidat, authentischer als die meisten Politiker. Aber er hatte ja auch keine wirkliche Chance. Wulff ist durch und durch Politiker, adrett, ohne Makel, ohne Fehler, bis zur Unsichtbarkeit geschliffen.</p>
<p><em>Der ständige Berater des verunglückten Ministerpräsidenten März ist in Ihrem Buch die abstoßendste Figur. Er bevormundet seinen Kandidaten total und interessiert sich nur für die Umfragewerte, die dieser erzielt…</em></p>
<p>Ich bin mir ziemlich sicher, dass in der Realität hochrangige Politiker nicht viel zu melden haben. Das erledigt ein Tross von Beratern und Ministerialbeamten für sie. Früher waren Politiker womöglich anders. Inzwischen reden und handeln sie mehr oder weniger visionslos, inhaltslos, unter der Diktatur von kurzfristigen Umfragewerten. Es geht nur noch darum, ob eine Frage sich gut verkauft. Die gesinnungsethische Fehlervermeidung ist die oberste Maxime.</p>
<p><em>Eine Kritikerin der Wochenzeitung „Der Freitag“ sieht Ihren Roman skeptisch, ihr fehlen die harten Themen. </em></p>
<p>Es gibt auch eine asketische Seite bei manchen Linken: Alles muss ganz klar beim Namen genannt werden, darf nicht zu verspielt oder vieldeutig sein. Aus Wut über den Umgang mit Arbeitslosen habe ich in der „Schule der Arbeitslosen“ eine sehr direkte, unzweideutige, am Ende auch harte Sprache gewählt. Ich wollte bei diesem Thema auf keinen Fall missverstanden werden. Die ganz konkreten politischen Anliegen und Fragen können aber auch eine Gefahr für einen Roman sein.</p>
<p><em>Ein Roman bewegt sich nun mal auf einer anderen Ebene als ein Sachbuch oder ein Flugblatt!</em></p>
<p>Man kann auf eine ästhetische Art revolutionär sein.</p>
<p><em>Der Ministerpräsident ist nach seinem Unfall so viel liebevoller und menschlicher als zuvor. Seine Redenschneiderin Hannah und er geben ein sympathisches Paar ab. Hannahs Tod nach dem Fahrradunfall auf der Flucht vor Paparazzi ist sehr tragisch. Hätten Sie kein Mut machenderes Ende finden können?</em></p>
<p>Sie sterben beide. Hannah stirbt körperlich, er geistig. Sein Widerstand wird gebrochen und März, sein Berater, steht am Schluss wieder an seinem Krankenbett und redet von nichts als Umfragewerten und Wahlkampf, arbeitet mit ihm an seinem Comeback – zurück in die Maskenwelt der Politik. Das Ende des Romans ist wohl meine private negative Sicht auf die Welt. Nietzsche nennt das: Die ewige Wiederkehr des Gleichen.</p>
<p><em>Ich habe die Message des Buches so verstanden: Die Demokratie ist ausgehöhlt, das Wählervolk möchte gerne mit einfachen Bildern und Parolen bedient werden.</em></p>
<p>Politik durchläuft zunehmend einen Prozess der Entpolitisierung und Entdemokratisierung. Und wenn sich in der Bevölkerung tatsächlich mal so etwas wie ein eigener Wille formiert, dann wird er ignoriert. Zum Beispiel hält die Landesregierung stur an Stuttgart 21 fest, obwohl inzwischen Zehntausende von Menschen auf der Straße dagegen demonstrieren. Der Wunsch der Bevölkerung nach einem Volksentscheid wird übergangen. Formal ist alles demokratisch und legal, in seiner Art und Wirkung ist der Vorgang technokratisch, autoritär, sich über die Menschen hinwegsetzend.</p>
<p><em>Was würden Sie sich wünschen, was sollte während eines Wahlkampfes passieren?</em></p>
<p>Eine gute Frage. Ein Kandidat kann verschwinden. Weglaufen vor dem eigenen Wahlkampf ist eine bizarre Idee, die mir sehr gefällt.<span id="_marker"> </span></p>
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		<title>Presse: Briefe aus Amerika</title>
		<link>http://joachimzelter.de/briefe-aus-amerika-2/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Aug 2010 08:40:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zelter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Pressestimmen]]></category>

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		<description><![CDATA[  Wendelinus Wurth, Schier unerschöpflicher Sprachwitz (Schwarzwälder Bote, 09.05.2000): Mit schier unerschöpflichem Sprachwitz, einem guten Gefühl für Karikatur und dem virtuosen Umgang mit Klischees &#8230; , gepaart mit einem gehörigen Schuss Situationskomik und –tragik zelebriert Zelter seinen Text geradezu – zum Vergnügen des Publikums.    Ingeborg Weh, Joachim Zelter oder: Die Lust an der Sprache [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wendelinus Wurth, Schier unerschöpflicher Sprachwitz (Schwarzwälder Bote, 09.05.2000):</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Mit schier unerschöpflichem Sprachwitz, einem guten Gefühl für Karikatur und dem virtuosen Umgang mit Klischees &#8230; , gepaart mit einem gehörigen Schuss Situationskomik und –tragik zelebriert Zelter seinen Text geradezu – zum Vergnügen des Publikums.</p>
<p><strong> </strong> </p>
<p><strong>Ingeborg Weh, Joachim Zelter oder: Die Lust an der Sprache (Badische Zeitung, 30.03.1999):</strong></p>
<p>Der Philologe Zelter verfügt über ein außergewöhnliches Talent für Sprache und Sprachwitz, verbunden mit einem faszinierenden Vortragsstil. Mühelos wechselt er die Sprache – Ironie und Humor verraten Lust und Kenntnis am Genre.</p>
<p><strong> </strong> </p>
<p><strong>Tomo Pavlovic, Rache einer Seele (Stuttgarter Zeitung, 24.11.1998):</strong></p>
<p>Wer die Worte wirklich liebt, wird hin und wieder fürstlich belohnt: mit einem Buch, das einen tatsächlich wieder dreinblicken lässt wie damals nach dem ersten ungeschickten Biss in den kandierten Apfel, das einen unbekümmert lachen macht, als könne damit auf immer die Welt aus dem Gedächtnis gefegt werden. Nur wenige dürfen sich glücklich schätzen, von den Worten geliebt zu werden. Joachim Zelter gehört zu ihnen.</p>
<p><strong> </strong> </p>
<p><strong>Matthias Setzer, Die heiligen Kühe auf deutschen Unis (Haller Tagblatt, 23.10.1998):</strong></p>
<p>Voller Ironie &#8230; entzaubert er die imaginären und traumatischen, geträumten und befürchteten, gefürchteten und tatsächlichen Amerika-Klischees in kafkaesker, Jean-Paulscher-Manier.</p>
<p><strong> </strong> </p>
<p><strong>Rainer Wochele, Der Schlachthof-Effekt und fernes Flötenspiel (Stuttgarter Zeitung, 25.09.98):</strong></p>
<p>Wenn es solche wie Zelter nicht mehr gäbe, solche Wagehälse, solche Verspötter des Vernünftigen &#8230;, man könnte fast meinen, wir wären ein Völkchen geistiger Frührentner, was Kreativität und Schöpfermut angeht.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<item>
		<title>Presse: How are you, Mister Angst?</title>
		<link>http://joachimzelter.de/presse-how-are-you-mister-angst/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Jul 2010 17:05:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zelter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Pressestimmen]]></category>

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		<description><![CDATA[  Katharina Bons, Der Tagträumer (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 02.12.2008): Nach seinem grandiosen Roman „Schule der Arbeitslosen“ gibt Joachim Zelter, der selbst in Tübingen lehrte, mit seinem neuen Roman einen herrlich ironischen und satirischen Einblick in den Kosmos der Universität. Anke Breitmeier, Nichts zu sagen (Associated Press, 04.09.2008): Psychologisch durchdacht und grotesk verzerrt inszeniert Zelter diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Katharina Bons, Der Tagträumer (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 02.12.2008):</strong></p>
<p>Nach seinem grandiosen Roman „Schule der Arbeitslosen“ gibt Joachim Zelter, der selbst in Tübingen lehrte, mit seinem neuen Roman einen herrlich ironischen und satirischen Einblick in den Kosmos der Universität.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Anke Breitmeier, Nichts zu sagen (Associated Press, 04.09.2008):</strong></p>
<p>Psychologisch durchdacht und grotesk verzerrt inszeniert Zelter diese Universitätssatire aus dem Medienzeitalter, die mehr und mehr zu einem ironisch gebrochenen Professorendrama gerät.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong><strong>Martin Zingg, Im Blindflug (Neue Zürcher Zeitung, 14./15.06.2008):</strong></p>
<p>Ironie und psychologisches Raffinement. Joachim Zelters Ich-Erzähler hat von beidem reichlich. Seinen satirischen Stachel und sein Tempo bezieht dieser Universitätsroman von der immer sehr präzisen Distanz, welche die Hauptfigur zu sich und ihrem Umfeld bewahrt. Monteiro mag, wie er gerne gesteht, ein miserabler Literaturdozent sein – gerade in der Dichte und Heftigkeit seiner Idiosynkrasien gibt er Stoff für einen witzigen und schnellen, höchst unterhaltsamen Roman.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Hermann Kurzke, Germanistik verblödet. (FAZ, 02.05.2008):</strong></p>
<p>Komisch und rührend zugleich, wie denn überhaupt dieser kleine Roman literarisch gekonnt und psychologisch klug ist. Als Universitätssatire taugt er allerdings wenig, denn die Geisteswissenschaften verdienen es gewiss nicht, so pauschal mit der ganz breiten Klatsche als Taubnüsse und Totenstädte niedergemacht zu werden. Besonders dann nicht, wenn sich außer Weglaufen keine Therapie abzeichnet.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong><strong>Armin Friedl, Die schlechteste Vorlesung (Stuttgarter Nachrichten, 18.04.2008):</strong></p>
<p>Zelter entblößt hier beides: die Medien und ihre Gier nach schnellen, spektakulären Informationen und eine Lehrauffassung, die meint, mit medialen Häppchenbeiträgen einen attraktiven Unterricht zu gestalten.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong> </strong><strong>Cord Beintmann, Fußnotenstrafgefangene in Tübingen (Stuttgarter Zeitung, 16.04.2008):</strong></p>
<p>Zelter, der selbst ein paar Jahre Dozent in Tübingen und an der Yale University war, genießt die Verspottung des Wissenschaftsbetriebs. Und natürlich bietet sich die rührende Gelehrtenrepublik Tübingen, die es sich unter einer mächtigen Käseglocke bequem gemacht hat, für Seitenhiebe an. [...] Zelter arbeitet mit messerscharfer Komik. Die verzweifelte und zugleich lässige Tollpatschigkeit, mit der Konrad Monteiro durchs Leben stolpert, macht die Lektüre dieses Buches zu einem großen Vergnügen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Sigrid Lehmann, Ausgebrannt und im falschen Film (Literaturen 04|2008):</strong></p>
<p>Eine rasant geschriebene Universitäts-Satire, ein Hieb auf das Medienzeitalter, aber auch noch weit mehr ist dieses Buch. Joachim Zelters 2006 erschienener Roman «Schule der Arbeitslosen» machte seinerzeit Aufsehen: ein düsteres Szenario vom Umgang mit Arbeitslosen im Jahr 2016. Mit seinem neuen Buch kehrt Zelter nun wieder zu seinem hintergründigen Erzählstil mit vielen Ebenen und Nuancen zurück. [...] Sprachlich präzise und dabei äußerst komisch offenbart der Ich-Erzähler seine bizarre Innenwelt, vom Witz zum Aberwitz ist hier nur ein kleiner Schritt. In den Angstszenarien des vereinsamten Dozenten spiegelt sich zugleich das Lebensgefühl einer ganzen Generation: Überforderung, Leistungsdruck und existenzielle Unsicherheit. Zelter selbst lehrte für einige Jahre englische Literatur in Yale und in Tübingen, bevor er mit 34 Jahren beschloss, nur noch Schriftsteller zu sein – vielleicht ist es die autobiografische Nähe, die diesen Roman so leichtfüßig und lebendig macht.</p>
<p> <strong> </strong></p>
<p><strong>Michael Merkle, Akademischer Abgesang (Reutlinger General-Anzeiger, 29.03.2008):</strong></p>
<p>Ein leichtfüßig daherkommendes Werk mit Sprachwitz und Gespür für situative Komik. Opulente Sätze, feine Wortkompositionen und ein Ich-Erzähler in der Krise. Autobiografische Bezüge, freie Erfindungen, brillante Einfälle. Der ehemalige Dozent Zelter arbeitet Erfahrungen aus der Uni auf. Es ist ein Abgesang auf den akademischen Betrieb.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>(Hürther SonntagsPost, 29.03.2008):</strong></p>
<p>Im Kern stehen die Ängste und Selbstzweifel eines Individuums. Selten ist berufliche Versagensangst derart schonungslos und dennoch humorvoll literarisch thematisiert worden.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p> <strong>Ulla Steuernagel, Faba oder nicht. Joachim Zelters soghafter „Mister Angst“ (Schwäbisches Tagblatt, 27.03.08):</strong></p>
<p><strong> </strong>Wir befinden uns noch ganz am Anfang des neuen Romans von Joachim Zelter: „How are you, Mister Angst?“ und schon ist der Protagonist so gut wie tot. An diesem Zustand wird sich in den nächsten 180 Seiten nicht viel ändern. Aber dennoch wird man der lebhaften Gedankendozentur des Professors nicht nur gerne folgen, sondern auch von seinen poetischen Bildern, seiner klaren Sprache und seinen überraschenden Schlüssen hingerissen sein.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ontologische Basisverunsicherung</title>
		<link>http://joachimzelter.de/ontologische-basisverunsicherung/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Jul 2010 15:26:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews_texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Interview in: Konzepte. Literatur zur Zeit 20 (2001): 62–75. Das Interview fand am 16. März 2001 in Karlsruhe statt. Die Fragen stellten Martin Gülich und Markus Orths. Herr Zelter, seit wann leben Sie als freier Schriftsteller? Seit 1997. Im Jahr 1997 hätte ich noch die Möglichkeit gehabt, an der Universität eine Stelle zu bekommen, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Interview in: <em>Konzepte. Literatur zur Zeit</em> 20 (2001): 62–75.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Das Interview fand am 16. März 2001 in Karlsruhe statt. Die Fragen stellten </strong><strong>Martin Gülich und Markus Orths.</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><em>Herr Zelter, seit wann leben Sie als freier Schriftsteller? </em></p>
<p>Seit 1997. Im Jahr 1997 hätte ich noch die Möglichkeit gehabt, an der Universität eine Stelle zu bekommen, das wäre sogar eine Stelle auf Lebenszeit gewesen. Im Sommer, als diese Stelle mir angeboten wurde, habe ich mich endgültig entschieden, ein Leben als freier Schriftsteller zu führen.</p>
<p><em>Haben Sie das je bereut? Oder anders gefragt: bedurfte es für Sie des absoluten Wagnisses, der Aufgabe jedweder Sicherheit, um Schriftsteller zu sein, oder würden Sie sich manchmal einen parallelen Brotberuf wünschen, um sozusagen „mit Netz zu turnen“? </em></p>
<p>Ich bereue es nicht, die Uni verlassen zu haben. Selbst wenn ich manchmal sehr besorgt bin über die finanzielle Situation als Schriftsteller, so gibt es keine Sekunde, in der ich sagen würde, wäre ich doch an der Uni geblieben. Ich wollte damals ganz und gar Schriftsteller sein bzw. werden, ohne irgendeine zeitliche oder nebenberufliche Einschränkung. Wenigstens für ein zwei Jahre. Mittlerweile sind vier Jahre vergangen und – auch zu meiner eigenen Überraschung – ich lebe noch. Andererseits sehe ich heute viel deutlicher die Probleme und Risiken des Schriftstellerdaseins. Man muss unterscheiden zwischen der rein finanziellen Seite, dem, was am Ende eines Jahres auf dem Konto ist, und den subtilen gesellschaftlichen Prozessen, durch die ein Schriftsteller immer wieder stigmatisiert wird. Wenn man beispielsweise die beiden Preise betrachtet, die ich jetzt bekommen habe, muss man sagen, dass sie natürlich sehr hilfreich sind, sie ermöglichen mir weiterzuleben, so viel zu verdienen wie ein sehr schlecht verdienender Mensch in einem Jahr. Aber ich muss mich für diese Preise, weil sie öffentliche Preise sind, immer auch irgendwie  rechtfertigen. Es kommen Zeitungsartikel, die unterschwellig fragen: Hat er diesen Preis überhaupt verdient? Man würde doch niemals Herrn XY fragen: Hat der überhaupt sein Gehalt verdient? Das heißt, der Schriftsteller steht immer wieder, gerade was die Finanzen anbelangt, unter einem Erklärungs- und Rechtfertigungsdruck. Das geht schon mit der Frage los: Was, Sie sind Schriftsteller, ja kann man denn davon leben? Das würde man keinen Arzt oder auch keine Putzfrau, ja eigentlich keinen Menschen fragen, aber man fragt es den Schriftsteller. Die Not des Schriftstellers ist nicht nur die Not des Geldes, sondern auch eine kulturelle Gegebenheit im Zuweisen einer bestimmten Rolle. Es ist nicht zuletzt die Rolle verschämter Dankbarkeit darüber, dass man überhaupt noch lebt.</p>
<p><em>Durch das Kappen der Sicherheit kam es da zu einer Art Befreiung, einem Befreiungserlebnis? </em></p>
<p>Ja, natürlich. Das war zunächst eine sehr große Befreiung. Aber mittlerweile, obwohl es mir finanziell besser geht als vor zwei, drei Jahren, sehe ich die Abgründe viel deutlicher als damals.</p>
<p><em>Lange bevor Sie Ihr erstes Buch veröffentlichten, veranstalteten Sie schon Lesungen. Sokrates sagte einmal, das Buch sei das Grab jeder Philosophie. Würden Sie dies auch für die Literatur gelten lassen und sagen, dass Erzählen mündlich bleiben kann, ähnlich wie der analphabetische Ich-Erzähler in Ihrem Buch </em>Die Würde des Lügens<em>, der alles nur auf Band spricht? </em></p>
<p>Ich habe da eine sehr ambivalente Haltung. Einerseits bin ich überhaupt nicht dagegen, dass etwas gedruckt wird. Karl Popper hat geschrieben: „Geschriebenes ist dem Gesprochenen vorzuziehen, und Gedrucktes ist noch besser.“ Er meint damit überhaupt nicht die Eitelkeit des Schriftstellers, sondern er meint: In dem Moment, wo etwas gedruckt ist, ist die Möglichkeit da, dass sich etwas objektivieren kann, bewahrt werden kann, sich verbreiten kann, multipliziert werden kann. Es nimmt dann ein objektives Eigenleben an, insofern, als dass es unabhängig vom Autor, auch von der körperlichen Präsenz des Autors, bei sehr vielen Menschen etwas bewirkt. Auf dieser Ebene habe ich ein sehr positives Verhältnis zu Veröffentlichungen in gedruckter Form. Andererseits leben wir in einer Gesellschaft, die es nicht sehr vielen Texten, gerade literarischen Texten, ermöglicht, gedruckt zu werden. Ich vermute, ein großer Teil unserer Literatur ist und bleibt unbekannt, da sie unveröffentlicht ist. Wenn dem so ist, dann muss man versuchen, aus der Not eine Tugend zu machen. Und das ist nun die andere Seite der Münze: Eine literarische Veröffentlichung ist nicht gleich Gedrucktwerden. Auch Lesungen sind für mich Formen der literarischen Veröffentlichung. Ich habe ein ausgesprochen positives Verhältnis zu Lesungen, da sie dem Autor ermöglichen, sich unabhängig zu machen von dieser geradezu kafkaesken Macht der Verlage, die jemandem, der anfängt zu schreiben, keine Chance geben. Eine Lesung ist insofern die einzige Möglichkeit für einen Autor, sich unabhängig von ganz gewaltigen institutionellen Mächten zu veröffentlichen.</p>
<p><em>Wobei man für gewöhnlich an Lesungen nur herankommt, wenn man schon etwas veröffentlicht hat&#8230; </em></p>
<p>Nicht unbedingt. Meine Erfahrung ist, dass es sehr viel leichter ist, an Lesungen heranzukommen als an einen Verlag, der bereit ist, ein Manuskript zu veröffentlichen. Das Amerikahaus in Stuttgart war, gerade weil mein Text nicht veröffentlicht war, sehr an ihm interessiert und wollten ihn als eine Art <em>work in progress</em> vorstellen. Also gerade die Tatsache, dass ein Text noch in der Schwebe ist, dass man noch an ihm arbeitet und die Lesung einem dabei hilft, hat viele Veranstalter dazu gereizt, mich zu engagieren, auch ohne gedruckte Veröffentlichung.</p>
<p><em>Bezugnehmend auf die schon angesprochene Tatsache, dass Sie weit vor der ersten Veröffentlichung so viele Lesungen gehalten haben, steht im Klappentext von </em>Briefe aus Amerika<em>, dass das Buch letztlich kein Debüt ist, sondern die Fortsetzung einer Geschichte. Jetzt ist die Geschichte weitergegangen, es sind zwei Bücher veröffentlicht, das dritte erscheint in Kürze, und Sie stehen weiterhin sehr oft auf der Bühne. Haben sich die Lesungen durch die Existenz dieser drei Bücher verändert? </em></p>
<p>Es hat sich insofern etwas geändert, als dass mich aufgrund der Veröffentlichungen mehr Angebote von Veranstaltern erreichen. Die Lesungen sind jetzt teilweise besser dotiert, und man könnte sagen, dass ich, fußballerisch gesprochen, von der Oberliga in die Regionalliga aufgestiegen bin, aber die Veranstalter dadurch auch viel dezidiertere Vorstellungen davon haben, wie die Lesung auszusehen hat. Das sind häufig Huckepacklesungen mit anderen Autoren, so dass die dramatischen Elemente meiner Lesungen nicht mehr zum Tragen kommen, sondern ich auf die üblichen Wasserglaslesungen zurechtgestutzt werde, also zwanzig, dreißig Minuten lese. Insofern lasse ich mich auch zunehmend von den Spielregeln vereinnahmen, die in einer höheren Liga gelten.</p>
<p><em>Sie haben eben den kabarettistischen Charakter Ihrer Lesungen angesprochen. Inwieweit sehen Sie sich als Kabarettist oder gar Schauspieler? </em></p>
<p>Nicht als Kabarettist, nicht als Schauspieler verstehe ich mich, sondern als Prosaautor, der versucht, mit dramatischen Elementen seine Texte besser  zur Geltung zu bringen. Ich versuche, auf verschiedenen Zeichenebenen zu arbeiten, mit verbalen und nonverbalen Zeichen und den Spannungen zwischen ihnen, das heißt, ich würde mich als „Prosadramatiker“ oder als „dramatischer Prosaautor“ bezeichnen. Die Engländer würden sagen: Ich schreibe und lese nicht im Sitzen, sondern im Stehen. Ich sehe mich als Sprechsteller, nicht als Schriftsitzer. Die sogenannten kabarettistischen, besser gesagt, dramatischen Elemente habe ich eingebracht, weil am Anfang der Legitimationszwang sehr stark war: Ein nichtveröffentlichter Autor, was hat der eigentlich zu bieten? Deswegen musste ich immer ohne Netz lesen: ohne Netz der Veröffentlichung, ohne Netz der Kritiken, ohne das Beglaubigte, Beeidete, Bewährte, ohne die typischen deutschen Bs, auch ohne Beziehungen. Mir war klar, dass ich damit auch tief fallen und ein Abend zum Beispiel in einer absoluten Peinlichkeit enden kann, wenn die Leute einfach schweigend dasitzen und überhaupt nichts mit dem Vorgetragenen anfangen können. Deshalb war es mir von Anfang an sehr wichtig, die Lesungen zu einem Gesamtkunstwerk zu stilisieren. Bei <em>Briefe aus Amerika</em> komme ich immer mit einer Art Schuluniform herein, mit einem Koffer und einer Herald Tribune, ganz so, als ob ich direkt aus Amerika hier nach Deutschland zu dieser Lesung käme. Ich spreche auch sofort Englisch, ein altertümliches Englisch, ich zitiere etwas aus dem 18. Jahrhundert, und das Publikum versteht kein Wort. Dann schlage ich das Buch auf und lese die ersten zwei, drei Sätze auch noch auf Englisch, und dann ist ein Punkt wie bei den üblichen Wasserglaslesungen erreicht: wenn das Publikum dabei ist, abzuschalten. Erst dann schaue ich auf und frage: „Sprechen Sie eigentlich Englisch?“ &#8211; „Nein, nein, nein“, sagt man, „bitte reden Sie deutsch!“ Damit ist also ein doppelter Einstieg geschafft: Einerseits verweise ich auf die Situation im Buch: jemand kommt gehetzt aus Amerika nach Deutschland; andererseits spiele ich zugleich auch auf die übliche Lesesituation an: dass Lesungen in der Regel langweilig sind.</p>
<p><em>Ihre Bücher sind sehr vielschichtig. </em>Briefe aus Amerika<em> kann man auf einer ersten Ebene als einen bizarr-absurden Campus-Roman lesen. Wenn man tiefer schaut, geht es in dem Roman sehr viel um das Fremdsein im Fremden wie im Vertrauten, um Angst, um Einsamkeit. Schließlich ist Briefe aus Amerika auch ein Buch über den Holocaust. Würde Sie es als Autor kränken, wenn ein Leser das Buch nur auf der ersten Ebene liest, auf der absurden Ebene und sich prächtig unterhalten fühlt?</em></p>
<p>Nein, das würde mich sogar sehr freuen, wenn sich jemand unterhalten fühlt. Oscar Wilde hat einmal gesagt, man solle bei der Betrachtung eines Kunstwerks in seiner Schönheit einfach nur Schönheit sehen und nichts Hässliches. Was mich sehr kränken würde, wäre, wenn jemand etwas sehr Hässliches oder Negatives in den Texten sehen wollte. Aber wenn jemand das erlebt, worauf der Roman auch angelegt ist, das Unterhaltsame, Bizarre, Groteske, dann freut mich dies. Das ist ja das, was sozusagen das Fleisch beim Leseprozess ausmacht, und wenn der Leser über dieses Fleischerlebnis das Gerippe, das Gerüst vergisst oder nicht sieht, so finde ich das nicht schlimm. Denn jedes Lesen ist ja per se ein selektives Lesen, und jeder Text wird ja laut Isers Rezeptionstheorie von jedem Leser noch einmal neu erzeugt. Umberto Eco hat einmal gesagt: Bei Text und Leser handelt es sich um eine komplexe Interaktion zwischen der Kompetenz des Textes und der Kompetenz des Lesers. Manchmal ist es eben so, dass die Kompetenz des Textes die Kompetenz des Lesers übersteigt, und manchmal ist es umgekehrt. <br />
 Das ist übrigens eine schöne Handhabe für alle Schriftsteller, die sich zu Unrecht kritisiert fühlen, wenn man sagen kann: Die Kompetenz des Textes übersteigt eben die des Kritikers.</p>
<p><em>Wenn man Ihre Texte liest, hat man das Gefühl, überrollt zu werden, mitgerissen zu werden, lawinenartig, die Gedanken und Ereignisse überschlagen sich. Lassen Sie sich selber beim Schreiben mitreißen? Oder ist das Kalkül? </em></p>
<p>Es ist insofern ein Kalkül, weil es in der Literaturgeschichte genügend Beispiele gibt für diese Art von Stil. Vielleicht nicht in der deutschen, aber zumindest in der englischen Literaturgeschichte. Einer der von mir sehr geschätzten Autoren ist Christopher Marlowe, der Meister des hyperbolischen Spiels, der vollkommenen Übertreibungen ins Uferlose. Er ist der Autor von Doktor Faustus oder Tamburlaine, die Geschichte eines Viehdiebs, der zum Weltherrscher aufsteigt. Da gibt es die wunderbare Stelle, wo Tamburlaine sich in eine Prinzessin verliebt und ihr immer größere und ausschweifendere Komplimente macht. Zum Beispiel: Auf elfenbeinernen Schlitten, von weißen Hirschen gezogen und von Tausenden frierenden Soldaten, soll man meine Angebetete über die Pole ziehen &#8230; Schließlich fragt ihn sein Berater „What now? In love?“, und er sagt „Women must be flattered“. Gerade Marlowe hat mich sehr stark beeinflusst. Mein Verleger hat einmal gesagt, er liebe die Übertreibung. Wenn ich also schon in vorauseilendem Gehorsam die eine oder andere Stelle etwas reduziert habe, sagt er: „Nein, lass es, ich liebe die Übertreibung.“ Das ist ein Satz, der mich sehr gerührt hat, weil man ihn eigentlich in der deutschen Literaturszene gerade so nicht aussprechen darf. In jedem Schreibseminar unterrichtet man genau das Gegenteil, nämlich das Reduzieren. Das sind diese paradigmatischen Grundhaltungen der Moderne, die durch Romanciers wie Hemingway so kanonbildend geworden sind. Literatur als spärliches, introvertiertes, minimales Unterfangen. Der Text soll nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich selbst ziehen. Er soll zurückhaltend sein, realistisch bleiben etcetera. Zum Beispiel: Wenn man Gefühle erwecken will, soll man nicht über Gefühle schreiben, oder man soll die Adjektive reduzieren, am besten ganz weglassen, nüchtern schreiben und <em>camera-like</em> über die Welt, die man generiert, hinüberfahren, und so weiter. Und ich mache genau das Gegenteil, das Barocke, das Manieristische. Manierismus ist übrigens eine wichtige Stilrichtung gerade im Drama der Shakespeare-Zeit. Der Verlust der klassischen Einheiten, Ganzheiten, Ausgewogenheiten, und stattdessen eben das Verbogene, Übersprühende, Groteske, Uferlose. Deswegen ist es sehr wohl Kalkül, weil ich mich schon als Literaturwissenschaftler mit solchen Dramatikern wie Marlowe beschäftigt habe. Übrigens gibt es auch viele Literaturwissenschaftler, die interessante Bezüge hergestellt haben zwischen den grotesken Unterwelten der Bösewichte in den James-Bond-Filmen,  die ja auch vollkommen hyperbolisch sind, und diesen grotesken Welten bei Marlowe. Ich glaube, dass es so eine Literaturtradition in Deutschland nicht gibt und ich daher auch als sehr sonderbar gelte.</p>
<p><em>In Ihrem zweiten Buch</em>, Die Würde des Lügens<em>, gehen Sie ein großes Thema explizit an: Fiktion und Wirklichkeit. In der ersten Hälfte des Buches lügt der Ich-Erzähler das Blaue vom Himmel herunter und behauptet, es sei wahr, in der zweiten Hälfte erfindet er alle möglichen Ereignisse, die jedoch sämtlich historisch verbürgt so stattgefunden haben, wie er sie erfindet. Fiktion und Wirklichkeit: Das große Thema Ihrer Literatur? </em></p>
<p>Es ist ein Thema meiner Bücher. Fiktion, Wahrheit, Konstruktivismus. Wirklichkeit nicht als vorgegebenes Datum, als sich selbst offenbarende Natur oder ewig gültige Wahrheit, sondern als ganz und gar konstruiert. Dieser Befund ist natürlich überhaupt nicht neu, aber für das Schreiben ungemein wichtig, da das Schreiben <em>par excellence</em> ein Konstruktionsprozess ist und sich jeder Schriftsteller sowieso damit auseinandersetzen muss. Aber es ist bei mir deswegen ein so großes Thema, weil ich mich als Literaturwissenschaftler damit beschäftigt habe. Ich wurde zum Beispiel einmal dafür kritisiert, das Buch <em>Die Würde des Lügens</em> zu nennen. Lügen sei ja ein ganz archaischer Begriff, der erkenntnistheoretisch nicht haltbar sei, aber ich habe geantwortet: Ich habe so viel über die Fiktion und über die Philosophie der Wahrheit gearbeitet, dass ich es mir leisten kann, völlig ungenau zu sein und bin auch mit Absicht in <em>Die Würde des Lügens</em> sehr ungenau gewesen. Das Buch sollte nicht philosophisch korrekt sein, sondern etwas bewirken. <br />
 Es gibt aber ein zweites großes Thema, das noch viel zentraler für mich ist. Das ist das Gefühl der überbordenden Angstszenarien: Was wäre, wenn meine Ängste, dass ich den Erwartungen der sozialen Welt nicht gewachsen bin, tatsächlich Wirklichkeit werden? In den Texten passiert genau das: Alle Dämme brechen, die schlimmsten Ängste, das Versagen, werden in groteskester Form erlebbar. In <em>Die Würde des Lügens</em> geht es immer wieder um das Überfordertsein des Ich-Erzählers. Und das Überfordertsein ist eine ganz wichtige Erfahrung unserer Generation, und zwar nicht unbedingt in moralischer Hinsicht, da gibt es andere Generationen, sondern ein Überfordertsein in dieser meritokratischen Welt, die ganz knüppelhart nach IQ, Leistung, nach Note bemisst, ob ein Mensch das Recht hat, überhaupt zu existieren. Genau das ist das viel zentralere Thema in den beiden Büchern. Der Psychiater Laing spricht in seinem Buch <em>The Divided Self</em> davon, dass so gut wie alle psychischen Erkrankungen von einer ontologischen Basisverunsicherung herrühren. Psychisch Kranke sind sich grundsätzlich nicht sicher, ob sie überhaupt noch leben oder ob sie ein Recht haben zu leben. Nichts ist mehr sicher. Und ähnlich ist es in meinen Texten: In keiner einzigen Szene oder Situation kann man sich sicher sein, ob man das so stabil halten kann. Im Gegenteil, man kann sich fast sicher sein, dass es umkippen wird, dass es erkenntnistheoretisch unsicher ist, gesellschaftlich unsicher ist, menschlich unsicher ist, dass selbst das einzelne Individuum vollkommen gebrochen und diskontinuierlich ist. Es ist nicht so, dass ich da meine eigene Basisverunsicherung thematisiere, das vielleicht auch, aber ganz sicher auch die Basisverunsicherung einer ganzen Generation, einer ganzen Zeit.</p>
<p><em>Bei </em>Briefe aus Amerika<em> haben wir schon über das Motiv der Einsamkeit gesprochen, das auch in </em>Die Würde des Lügens <em>eine zentrale Rolle zu spielen scheint. Würden Sie sagen, dass diese Anerkennungsängste, von denen Sie sprechen, letztlich Einsamkeitsängste sind? </em></p>
<p>Ich glaube, dass die Einsamkeit einhergeht mit der ontologischen Basisverunsicherung. Wie das kausal zusammenhängt, dazu möchte ich nichts sagen. Das eine bedingt das andere. Meine Romane sind schon rein formal gesehen auf das Thema der Einsamkeit hin angelegt. <em>Briefe aus Amerika</em> ist nicht ohne Grund ein Briefroman. Jemand schreibt in aller Einsamkeit Briefe. Sie bleiben unbeantwortet. Womöglich werden sie nicht einmal gelesen. Am Ende des Buches weiß man nicht einmal, ob die Hauptfigur Sender oder Empfänger der <em>Briefe aus Amerika</em> ist. Das (Briefe-) Schreiben geriert zu einem vereinsamten Sprachrausch. Im Roman heißt es<em>: Briefe sind Briefe, auch wenn Absender und Empfänger eine Person sind. Die wichtigsten Briefe schreibt man an sich selbst, oder an die, die man für sich selbst hält. Ich schreibe und schreibe &#8230;</em> Bei der formalen Konzeption der <em>Würde des Lügens</em>, als Tonbandaufnahmen, verhält es sich ähnlich.</p>
<p><em>Ist der Titel des Buches eher an Pico della Mirandolas „Würde des Menschen“ angelegt oder an Wildes „Decay of Lying“? </em></p>
<p>Ja, gut, das wissen Sie ja sicher beide, wie schwierig es ist, Titel zu finden, wie heikel die Titelsuche ist. Und Titel sind dann sowieso am Ende etwas Willkürliches, man sollte das nicht zu ernst nehmen. Der Hauptgrund, warum ich diesen Titel gewählt habe, ist einfach, er hört sich sehr schön an, er hat einen sehr schönen Rhythmus. Es haben sich allerdings bei Lesungen auch schon einige Leute beschwert: „Das ist ja unmöglich, die Lüge ist doch was Schlechtes, das kann doch keine Würde haben.“ Als mir Veranstalter mitgeteilt haben, dass schon einige Leute im Vorfeld der Lesung Amok gelaufen sind, habe ich gewusst, dass es der richtige Titel ist, weil er auch ein gewisses Provokationspotential hat.</p>
<p><em>Noch einmal zu Fiktionalität und Wahrheit. Dieses Thema ist zugleich Thema Ihrer wissenschaftlichen Arbeiten. Sie unterscheiden dort zwei grundsätzliche Weisen, wie Literatur ihre eigene Fiktionalität handhaben kann: „selbstreflexiv oder in Bezug auf die außerliterarische Welt“. </em></p>
<p>Hab ich das gesagt?</p>
<p><em>Doch, ja. Können Sie dies konkretisieren? </em></p>
<p>Nun ja, in den Literaturwissenschaften der sechziger und siebziger Jahre hat man meist versucht, recht philosophisch zu bestimmen, was genau das Fiktionale an einem literarischen Text ist. Also beispielsweise jemand wie Käthe Hamburger wollte in Die Logik der Dichtung einfach ewig gültige Kriterien aufstellen, nach dem Motto: Das macht den Text zu einer Fiktion. Zum Beispiel das epische Präteritum. Fiktionale Texte, nach Hamburger, sind immer im Präteritum geschrieben, denn wenn sie im Präsens geschrieben wären, würde die Illusion der Wahrheit, die natürlich in Wahrheit fiktional ist, wieder durchbrochen. Für all das habe ich mich in meiner Arbeit nicht interessiert, weil diese ewig gültigen Abgrenzungen zwischen sogenannten Fiktivtexten und Sachtexten sowieso nicht haltbar sind. Ich habe mich vielmehr damit beschäftigt, was passiert, wenn ein literarischer Text, der natürlich in jedem Fall Fiktion ist, die Idee der Fiktion in seinem eigenen Werk thematisiert. Und da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder er thematisiert das in einem postmodernen Spiel wie zum Beispiel in <em>The French Lieutenant’s Woman</em>, wenn der Ich-Erzähler sich plötzlich selbst unterbricht und sagt: „This story I am telling is all imagination. These characters I create never existed outside my own mind“, also eine Art Autoreflexivität, eine Form des self-cancelling, des Zurücknehmens der vorgeblichen Wahrheit einer Geschichte. Und die andere Möglichkeit geht noch einen Schritt weiter, indem man sagt: Auch die ganze Welt außerhalb der Literatur ist Fiktion. Das hat Oscar Wilde auf diesen schönen Satz gebracht: „I treated Art as the supreme reality, and life as a mere mode of fiction.“ Da haben wir genau diese Dialektik. Aber das ist natürlich nicht meine Idee, sondern die Idee von Hans Vaihinger und seiner Philosophie des Als-Ob. Er sagt, nicht nur die Kunst, die Religion, die gesellschaftlichen Konventionen und Vorstellungskonstrukte, sondern auch alle Bereiche der Wissenschaften sind reine Fiktionen in dem Sinne, dass sie mit Vorstellungsgebilden arbeiten, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen, aber dennoch dazu beitragen können, auf eine sinnhafte Weise Wirklichkeit zu berechnen oder zu strukturieren. Das ist das Thema meiner Doktorarbeit. In der Literaturgeschichte war besonders der Roman ständig in der Defensive. Im 18. Jahrhundert hat man als Romanautor beteuern müssen: Das ist keine Fiktion, der Herausgeber kann bezeugen, es handelt sich um einen authentischen Tatsachenbericht, wie zum Beispiel im Vorwort von Robinson Crusoe. Später kam es zu zähneknirschenden apologetischen Eingeständnissen: Es tut uns leid, das ist nur Literatur, das ist nur Fiktion, nur etwas Sekundäres. Und dann hat Oscar Wilde die Fiktionalität nicht nur anerkannt, sondern fröhlich zelebriert und ist noch einen Schritt weitergegangen und hat gesagt: Die ganze Wirklichkeit ist Farce und Fiktion, auch die Vorstellung eines stabilen Ichs, einer Identität, das ist alles Fiktion. Deswegen spielt für mich Oscar Wilde in allen Texten eine Schlüsselrolle.</p>
<p><em>Sie prangern in Ihrer Dissertation eine „Fetischisierung der Wahrheit zur obersten Maßgabe aller Bewertung“ an und behaupten, erst die Fiktionalisierung der Welt macht Geltungsansprüche unabhängig vom Wahrheitsgehalt möglich. Damit verlassen Sie den Bereich der Literatur und betreten den der Ethik. Ein kühner Schritt? </em></p>
<p>Ich glaube in der Tat, dass wir die Wahrheit als Maßgabe zur Bewertung von Geltungsansprüchen in allen Bereichen der Gesellschaft so sehr fetischisieren, dass man für Inhalte, für Ethisches oder auch für Utopisches keinen Blick mehr hat. Ich habe unter anderem auch deswegen die Uni verlassen, weil ich irgendwann einmal die Studenten nach Oscar Wildes <em>The Soul of Man under Socialism</em> gefragt und als Antwort bekommen habe: Da brauchen wir uns gar nicht drüber zu unterhalten, das ist sowieso nicht realisierbar, das ist vollkommen utopisch. Ich dagegen stehe auf Oscar Wildes Seite, der gesagt hat: „A map of the world that does not include Utopia is not worth even glancing at.“ Das utopische Denken ist ja per definitionem eine Überschreitung bestehender Wirklichkeiten und Wahrheiten. Im Gegensatz zu den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als gerade das utopische Denken so viel Unheil bewirkt hat, ist heutzutage das Gegenteil der Fall: Es herrscht ein absolut anti-utopisches Denken. Unterschwellig wird suggeriert: Was keine Wirklichkeitsattribute hat, was nicht wahr ist, berührt mich nicht, beschäftigt mich nicht, bringt mir nichts, ist nichts. Meine These in Hinblick auf den Literaturbetrieb ist, dass er ganz und gar von diesem Wahrheitsfetischismus durchdrungen ist. Und zwar einfach deshalb, weil heute intrinsische Ansätze der Literaturbetrachtung eigentlich keine Rolle mehr spielen. Mir fällt immer mehr auf, dass ein literarischer Text nicht aus sich selbst heraus gelesen, verstanden, kritisiert wird, sondern immer von irgendeinem Faktor aus, der schon vor dem literarischen Text gesetzt ist: Ist der Autor ein interessanter Mensch oder ein gut aussehender Mensch oder ist er noch jung oder war er mal auf der Uni und hat die Uni sogar verlassen oder lässt er sich in irgendwelche „ismen“ einordnen oder hat er einen ethnisch interessanten Hintergrund oder hat er einen interessanten Beruf oder kann er gut Fahrrad fahren. Auch da geht man von der alten platonischen Hierarchisierung der Welt aus und hält das Wirkliche erst einmal für wichtiger als die Poesie, die nach Platon nichts weiter ist als das Abbild eines Abbildes. In der Literaturszene wird nur noch ganz selten vom unmittelbaren Leseerlebnis ausgegangen, sondern immer von der Frage, wie wir das Literarische mit etwas Wirklichem relationieren können, also mit dem wirklichen Autor, mit dem wirklichen Hintergrund des Autors. Der literarische Text wird immer mehr als sekundäres Abbild oder als Anhang gesehen, das auf etwas Primäres verweist, das nicht Literatur ist. Literatur wird heutzutage vorwiegend mit nicht-literarischen Argumenten vertreten, verstanden und betrieben. Nicht zuletzt deshalb bin ich ein leidenschaftlicher Verfechter des „L’art pour l’art“, also auch ein Anhänger von Oscar Wilde, weil nirgendwo so dezidiert in der Literaturgeschichte die Autonomie der Literatur und des literarischen Werkes propagiert wurde. Oscar Wilde hat einmal gesagt: „To reveal art and to conceal the artist is art’s aim.“ Heute ist es genau umgekehrt: Man macht das Kunstwerk dicht und sagt etwas über den Künstler. Auch daher rührt meine Haltung gegenüber der Wahrheit.</p>
<p><em>Ihre Dissertation ist mit der ungewöhnlichen Widmung „Oscar Wilde und mir selbst“ versehen. Was steckt dahinter? </em></p>
<p>Mir war immer klar, dass, wenn ich ein solches Buch, also eine Doktorarbeit schreibe, ich mich mit einer besonderen Widmung belohnen werde. Sonst hätte ich diese Arbeit, die Betonung liegt auf Arbeit, nicht durchgehalten oder zu Ende gebracht. Wenigstens die Widmung sollte etwas Besonderes sein. Von augezwinkernder Leichtigkeit, also das Gegenteil des Buches. Deshalb die Widmung. Hätte ich das Buch nur mir selbst gewidmet, schlimm genug, vollkommen narzisstisch, grandios, arrogant. Mancher Rezensent des Buches war in der Tat empört. Aber in dem Moment, wo ich das Buch zugleich Oscar Wilde widme, ist es ja eine noch extremere Steigerung, gleichzeitig aber eine Wiederholung dessen, was Wilde selbst gemacht hat. Er wurde einmal gefragt: „Nennen Sie mir die 100 besten Bücher des 19. Jahrhunderts“, da hat er gesagt, er könne nur zwei nennen, weil er nur zwei geschrieben habe. Das ist auch eine absolute Arroganz bei Wilde, die er aber sehr liebenswert vorgebracht hat. Es ist natürlich ein oberflächlicher Verweis auf den Narzissmus des Schriftstellers, und ich halte bewusst meine Backe hin, aber die Widmung ist auch ein Ausdruck einer ganz großen Liebe und eines großen Respekts, den ich für Oscar Wilde empfinde. Als jetzt zum 100. Todestag Oscar Wildes so viele Sendungen im Fernsehen gezeigt wurden, kamen mir immer wieder die Tränen. Wie Shakespeare für Harold Bloom, so ist Oscar Wilde für mich ein „säkularer Christus“. Er eignet sich natürlich auch sehr zur Idolisierung, weil er genau diesen Passionsweg gegangen ist. Die Homosexualität war ja nur ein Vorwand für seine Verurteilung, in Wahrheit stand seine provozierende Art zu schreiben vor Gericht und man hat eben die Gelegenheit wahrgenommen, mit ihm abzurechnen, und er ist in der Tat für seine Kunst gestorben.</p>
<p><em>Neben Oscar Wilde, bewundern Sie Pinter und Shakespeare. Was haben Sie von den beiden gelernt? </em></p>
<p>Zu Shakespeare will ich nichts sagen. Harold Bloom hat das Wichtigste zu ihm gesagt. Zu Pinter: Als ich erstmals ein Drama von Pinter gelesen habe, es war die <em>Birthday Party</em>, konnte ich kaum etwas damit anfangen. Ich war noch ganz und gar der Deutschschüler, der sich fragte: Was soll das? Was will das Stück sagen? Also las ich schnell einige literaturwissenschaftliche Abhandlungen zu Pinter. Zu meiner Erleichterung fragten auch viele Literaturwissenschaftler: Was will uns Pinter sagen? Die Debatten drehten sich meist um diese eine Frage: „What does he mean?“ Einmal antwortete Pinter auf die enervierende Fragerei nach der Bedeutung seiner Stücke: „Das Wiesel unter der Cocktailbar.“ Die Literaturwissenschaft hat dieses Wiesel für eine tiefsinnige Beobachtung tiefenpsychologischer Art des Autors genommen, während Pinter nur mit der Kleptomanie seiner Kritiker spielte, die glaubten, unbedingt seine Werke deuten und bedeuten zu müssen. Nichts anderes lernen wir in der Schule: die Kleptomanie des Deuten- und Bedeutenmüssens. Sobald ich damit aufhörte nach Deutungen und Bedeutungen zu fragen, konnte ich Pinter mit immer mehr Vergnügen lesen. Der Fehler, den ich machte, war, Literatur mimetisch zu sehen, als Abbild nicht-literarischer Gegebenheiten, Ideen oder Botschaften; letztendlich die übliche literaturfeindliche Haltung, dass Literatur nur dann legitimiert ist, wenn sie auf etwas verweist, das nicht Literatur ist. <br />
 Was ich an Pinter ebenfalls schätze ist sein Verhältnis zur Sprache. Er ist ein Sprachpessimist. Eines der häufigsten Wörter in seinen Stücken ist die Regieanweisung: Pause. Oder Stille. Teils können die Pinterfiguren nicht sprechen, teils wollen sie es gar nicht. Die Pinterfiguren sprechen oft unmotiviert, un-verständlich, unwillkürlich. Noch ist das Gesagte bei Pinter die einzige oder wichtigste Sprachebene. Was seine Figuren nicht sagen ist oft bedeutsamer als was sie sagen. Sie erscheinen als stammelnde Sprachtaktiker, denen die Sprache nicht zur Verständigung dient, sondern dem Hinhalten, Ausweichen, oder dem Bei-sich-Selbst-Bleiben in auswegslosen zwischenmenschlichen Situationen, denen keine Sprache mehr gewachsen ist. Wie im wirklichen Leben. Wie oft hat mich die Sprache gerade dann verlassen, wenn ich sie am dringendsten brauchte. Oder sie am meisten von mir erwartet wurde. In entscheidenden Lebenssituation bin ich, wie die Pinterfiguren, ein Sprachversager. Meine eigenen literarischen Texte sind nicht zuletzt Variationen verspäteter Sprache, die in realen Lebenssituationen ungesagt, verstummt oder in sich zusammengesackt ist.</p>
<p><em>Wilde, Pinter, Shakespeare, alles Dramatiker. Warum schreiben Sie keine Theaterstücke? Ist der Respekt zu groß? </em></p>
<p>Ja. Das Drama erlaubt einem nicht so viele Freiheiten wie die Prosa. Als Dozent habe ich Drama unterrichtet, ich war selber Schauspieler in einer Theatergruppe, als Vierzehnjähriger waren alle meine literarischen Versuche Dramen. Aber ich glaube, ich habe tatsächlich zu viel Respekt. Ein Drama lebt ja von der Unmittelbarkeit. Es gibt keine vermittelnde Instanz, keine Erzählerstimme, das Drama ist die, in Anführungszeichen, objektivste Kunstform, weil ohne irgendeine Vermittlung einfach agiert und reagiert wird.</p>
<p><em>Bald erscheint Ihr drittes Buch, </em>Opus Eroticum.<em> Das ist eines Ihrer frühen Werke&#8230; </em></p>
<p>Ja. Es ist mir ganz wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Reihenfolge der Veröffentlichung nicht der Reihenfolge der Entstehung entspricht. <em>Opus Eroticum</em> ist eigentlich schon in den Jahren 93, 94, 95 in mehreren Anläufen entstanden, es ist ein sehr ungestümer Text. Den Text zu schreiben, war für mich eine Befreiung, bei der ich es erstmals schaffte, alle Instanzen der literarischen oder politischen <em>correctness </em>einfach wegzulassen. Insofern ist dies mein authentischster Text, was ja nicht unbedingt ein literarisches Kriterium ist.</p>
<p><em>Einige Kapitel wurden bereits auf der Buchmesse als Werbeaktion vorveröffentlicht. In den mir vorliegenden Kapiteln konnte ich kein Gestaltungsprinzip erkennen, hatte eher den Eindruck, es handle sich um Geschichten. </em></p>
<p>Das Gestaltungsprinzip ist die Besessenheit, die durchgehende Besessenheit des Ich-Erzählers in Bezug auf Frauen: „Ich liebe alle Frauen.“ Ein zweites Gestaltungsprinzip ist die parodistische Einkleidung des Buches als Ratgeber bzw. Handbuch. Der Untertitel sagt es bereits: Handbuch des Verführers. Vergessen wir nicht, wir leben im Buchzeitalter der Handbücher und Ratgeber, nicht der Romane. Ein drittes Gestaltungsprinzip ist die unverschämte Offenheit des Ich-Erzählers und seine dreiste Art der Leseransprache. An manchen Stellen greift er buchstäblich und leibhaftig aus dem Buch hinaus und geht besonders den Leserinnen an die Wäsche. Angewandte, performative Verfüh-rung. Das Buch ist ein Spiel, ein postmodernes Spiel mit Genres, Zitaten, Erwartungen und Haltungen. Es ist kein Buch mit einem linearen Plot, sondern folgt eher einem musikalischen Prinzip:  die Variation einer Besessenheit. Es ist keine epische Autobahn, sondern in der Tat fragmentarisch. Man muss es nicht unbedingt linear lesen, sondern kann darin schmökern. Es ist auch eine Hommage an Roland Barthes Fragmente einer Sprache der Liebe. Ein solches Thema kann man nur fragmentarisch angehen: also in diskontinuierlichen Gesten, Denkfiguren und Geschichten. Deshalb ist der Text  in viele  Kapitel unterteilt. Jedes Kapitel trägt eine Überschrift. In jedem Kapitel wird zunächst eine kühne These aufgestellt, eine These, die nicht <em>politically correct</em> ist, zum Beispiel: wie man eine Frau kauft für eine Mark oder wie man eine Frau erobert oder wie man sie wieder los wird und so weiter. Das wird dann nach allen Regeln der essayistischen Kunst sehr provozierend belegt. Dann aber unterlaufen die einzelnen Kapitel immer wieder sich selbst, weil sie zunehmend narrativer werden, und im Narrativen zeigt sich, dass die Thesen nicht nur nicht haltbar sind, sondern sich oft in das krasse Gegenteil verkehren. Deshalb verzeihen mir gerade die Frauen diesen Text.</p>
<p><em>Warum veröffentlichen Sie jetzt eine frühe Arbeit? </em></p>
<p>Weil mir dieser Text von allen, die ich geschrieben habe, am meisten am Herzen liegt, weil es der erste Text ist, weil ich sehr viel daraus gelernt habe für das Schreiben. Er ist wirklich sehr ehrlich und fast im Rausch geschrieben. Das ist der Text, bei dem ich gelernt habe loszulassen und eine Besessenheit zuzulassen, Besessenheit eben als wichtige Bedingung für Literatur: Wer die Besessenheit nicht zulässt, wird auch nicht gut schreiben, wird niemals einen <em>drive </em>oder einen Wind in seine Texte hineinbekommen. Der Grund, warum man das Buch erst jetzt verlegt, ist folgender: Mein Verleger Sergiu Stefanescu kennt die Reihenfolge und die Geschichte der einzelnen Texte genau. Er weiß also, dass dieser Text seit sechs oder sieben Jahren wie ein Waisenkind oder ein ewiger Embryo in der Luft hängt.</p>
<p><em>Wir haben schon kurz darüber gesprochen, dass das letzte Jahr für Sie sehr erfolgreich war. Solche Preise haben durchaus etwas Zweischneidiges. Wurden Sie eher beflügelt, oder gab es auch eine Art Lähmung, weil die Erwartungshaltung stieg? </em></p>
<p>Es war eine wichtige Bestätigung nicht nur für mich, sondern auch für den Verlag und für all die Menschen, die an meine Texte glaubten. Zugleich waren die Preise auch eine große Last, aber in einer ganz anderen Hinsicht: Es war eher die Organisation, der Umgang mit der Presse, da habe ich sehr viele Fehler gemacht und war ziemlich überfordert. Lähmen tut es mich eigentlich nicht, weil ich so viele Romane in der Schublade habe, dass es gar nicht mein Problem ist, mich zu fragen, o Gott, was schreib ich denn jetzt, um das zu bestätigen. Ich habe eher das umgekehrte Problem: Warum gibt es keine gesellschaftlichen oder literarischen Kapazitäten, um diese Texte bald zu veröffentlichen. Wenn nach sechs oder sieben Jahren das Buch herauskommt, hat man keinen wirklichen Bezug mehr dazu. Die Leidenschaft und das Herzblut sind vergangen. Das ist eine sehr große Belastung. Ich lebe in einem überfüllten Zimmer, voller Manuskripte, und ich habe den Eindruck, die kommen gar nicht heraus. Denn nur das, was auf den Punkt gebracht wird, ist, wie Nietzsche sagt, tot, und gibt zugleich wieder Raum für Neues.</p>
<p><em>Der Ithaka-Verlag ist ein kleiner Stuttgarter Verlag. Haben Sie in dem Verleger Sergiu Stefanescu so etwas wie die ideale Verlegerpersönlichkeit für Ihre Literatur getroffen? </em></p>
<p>Ja, das ist der einzige Verleger, der sich für meine Art zu schreiben interessiert. Er hat meine Manuskripte über einen anderen Schriftsteller bekommen. Er hat die <em>Briefe aus Amerika</em> gelesen und dann sofort gesagt: „Ich will das verlegen.“ Da spielten für ihn auch die Verkaufszahlen keine Rolle. Er hat das Buch nie als Tauschwert gesehen, immer als Gebrauchswert, wenn man diese Worte von Marx einmal verwenden darf. Für mich ist es kein Zufall, dass Sergiu nicht aus Deutschland kommt. Jemand schrieb über ihn: „der unangepasste Kopf des rumänischen Dissidenten Sergiu Stefanescu.“ Er ist in der Tat bis zum heutigen Tag ein Dissident,  der für seine Überzeugungen in seinem Land ins Gefängnis gegangen ist. Auf der literarischen Ebene fühle ich mich sehr daheim in diesem Verlag. Wie ich eben schon sagte: Sergiu bewahrt mich oft davor, Passagen zu streichen und sagt mir: Wie kann man das nur streichen wollen, lass das bitte stehen. Für gewöhnlich ist die Reaktion der Lektoren ja: Das ist zuviel, viel zuviel, wir wollen nicht so übertriebenes Zeug haben, wir wollen es ökonomisch, pragmatisch, schnell, kein überflüssiges Wort. Dem kann ich nur entgegenhalten: Die ganze Literatur besteht aus überflüssigen Worten.</p>
<p><em>Das ist ein schönes Schlusswort. Herr Zelter, wir danken Ihnen für das Gespräch. </em></p>
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		<title>Neue Westfälische</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 10:24:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zelter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nr. 301. 29./30. Dezember 2007 Die Fragen stellte Sigrid Lehmann-Wacker Herr Zelter, wie nah ist Ihre düstere Zukunftsvision an Hartz IV? Je länger der Roman auf dem Markt ist, seit 2006 also, desto eher scheint er der Wirklichkeit hinterherzuhinken als ihr vorauszueilen. Im Land Brandenburg sorgten jüngst so genannte „Päd-Camps“ für Aufsehen, in die „schwer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Nr. 301. 29./30. Dezember 2007</strong><br />
<strong>Die Fragen stellte Sigrid Lehmann-Wacker</strong></p>
<p><em> </em></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><em>Herr Zelter, wie nah ist Ihre düstere Zukunftsvision an Hartz IV?</em></p>
<p>Je länger der Roman auf dem Markt ist, seit 2006 also, desto eher scheint er der Wirklichkeit hinterherzuhinken als ihr vorauszueilen. Im Land Brandenburg sorgten jüngst so genannte „Päd-Camps“ für Aufsehen, in die „schwer vermittelbare“ Jugendliche geschickt wurden, um sie dort von Grund auf für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Die Mitnahme von Handys wurde ihnen verboten, der Verzehr von Speisen und Getränken war nur nach Absprache mit den Mitarbeitern gestattet, Grundrechte wurden eingeschränkt.</p>
<p><em>Wie kamen Sie darauf, diesen Roman zu schreiben?</em></p>
<p><em> </em>Freunde von mir haben in solchen Maßnahme-Einrichtungen selbst unterrichtet, so hatte ich die Gelegenheit, mir einige einmal genauer von innen anzuschauen. Die Teilnahme an derartigen „Maßnahmen“ hat nicht selten Zwangscharakter. Der ganze Grundansatz der BA widerspricht letztendlich dem 12. Artikel des Grundgesetzes. Dort steht: „Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden.“ Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wir fügen aber im Stillen hinzu, „sofern er Arbeit hat.“</p>
<p><em>Viele der neuen Lehrer und sonstigen Verwalter der Arbeitslosigkeit waren selbst lange arbeitslos, bevor sie diese Jobs bekamen.</em></p>
<p>Genau – in „Sphericon“ werden längst keine wirklichen Stellen mehr verhandelt. Die einzige Stelle, um die sich die Trainees tatsächlich bewerben können, ist die Stelle eines zusätzlichen Trainers. Die Verwaltung von Arbeitslosigkeit schafft also Arbeit. Dabei dürfen Menschen, die Arbeit haben, wie zum Beispiel die Trainer, sich über andere stellen. Diese Art von Ausbeutung und Machtmissbrauch habe ich versucht in meinem Roman sowie in der Bühnenfassung darzustellen.</p>
<p><strong> </strong><em>Hauptmerkmal ist Ihr brillanter Sprachstil, der die Phrasen der New Economy ad absurdum führt. Wie haben die Theatermacher die Botschaft des Dramas umgesetzt?</em></p>
<p>Sprache ist ein eigener Akteur in der Kunst, nicht nur Füllmaterial. Ich musste bei der Premiere in Osnabrück stark schlucken. Nina Gühlstorffs Inszenierung weicht an vielen Stellen von der Sprache des Romans und meiner Stückvorlage ab. Der Roman ist eine Schreckutopie in der Tradition von Orwell und Huxley. Er kritisiert totalitäre Tendenzen unserer arbeitszentrierten Gesellschaft. Die Osnabrücker Inszenierung hat diesen Schrecken bagatellisiert, ihn teilweise sogar ins Operettenhafte verkehrt. Von der Premiere in Senftenberg war ich begeistert. Sie ist werkgetreu, schauspielerisch hervorragend und voller Achtung vor dem Thema.</p>
<p><em>Ab Februar laufen auch noch in Krefeld und Mönchengladbach Aufführungen der „Schule der Arbeitslosen“. </em></p>
<p>Als Autor ist es natürlich spannend, die unterschiedlichen Auffassungen von Inszenierungen zu sehen. Die Inszenierungen in Krefeld und Mönchengladbach werden auf jeden Fall nah am Text bleiben.</p>
<p><em>An den Berufsbildenden Schulen in Osnabrück beschäftigen sich momentan etwa 800 Schülerinnen und Schüler mit der „Schule der Arbeitslosen“ und werden auch eine der Vorstellungen besuchen. Trägt Ihr Werk zur aktuellen politischen Diskussion bei?</em></p>
<p>Es haben sich viele Schüler bei mir gemeldet, mit einigen bin ich per Email in Kontakt. In Senftenberg saß ich, ohne dass ich als Autor erkannt wurde, bei der Generalprobe unter jungen Arbeitslosen und hörte immer wieder Zustimmung, etwa: „Oh ja, das wird auch noch passieren.“ Oder: „Irgendwann werden auch wir nach Sierra Leone ausgeflogen.“</p>
<p><em>Wie sehen Sie selbst in die Zukunft?</em></p>
<p><em> </em>Für mich gibt es nur zwei Wege: Der eine führt in den Totalitarismus, der andere löst sich vom alten Arbeitsbegriff. Ich bin für ein bedingungsloses Grundeinkommen.</p>
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		<title>Tier mit drei Buchstaben. Bühnenstück</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 08:15:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zelter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühnenstücke]]></category>

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		<description><![CDATA[  Zimmertheater Tübingen Regie: Robert Arnold Ausstattung: Jana Denhoven Schauspieler: Nicole Schneider &#38; Roman Roth Uraufführung: 29.01.2011 Wir suchen ein Tier, ein Tier mit drei Buchstaben – so die tagtäglichen Fragen einer erbärmlichen Quizshow eines heruntergekommenen Fernsehsenders, der kein anderes Ziel verfolgt, als Zuschauer zum Anrufen zu bringen, und damit um ihr Geld. Moderator der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://joachimzelter.de/wp-content/uploads/2010/07/Tier-mit-drei-Buchstaben.5.jpg" rel="lightbox[430]"></a><a href="http://joachimzelter.de/wp-content/uploads/2010/07/Tier-mit-drei-Buchstaben.jpg" rel="lightbox[430]"></a></p>
<p><span style="font-size: medium;"> </span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Zimmertheater Tübingen<br />
Regie: Robert Arnold<br />
Ausstattung: Jana Denhoven<br />
Schauspieler: Nicole Schneider &amp; Roman Roth<br />
Uraufführung: 29.01.2011</span></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Wir suchen ein Tier, ein Tier mit drei Buchstaben – so die tagtäglichen Fragen einer erbärmlichen Quizshow eines heruntergekommenen Fernsehsenders, der kein anderes Ziel verfolgt, als Zuschauer zum Anrufen zu bringen, und damit um ihr Geld. Moderator der Sendung ist der gescheiterte Geschichtslehrer Treskow, ein wandelnder Anachronismus, ein völlig deplazierter Mensch in einer Unterwelt kaum mehr zu steigernder Unverfrorenheit und Banalität. Immer unerträglicher wird ihm die dreibuchstabige Fernsehwelt, ihre Geist- und Geschmacklosigkeit, ihr ästhetisches Grauen, bis er den Irrsinn nicht mehr länger aushält und er vor laufenden Kameras das Studio als Geisel nimmt – und mit dem Studio die gesamte Sendung. Live. Er droht das Studio in die Luft zu sprengen, wenn nicht &#8230;, und er spricht seine Forderungen offen aus: Tiere mit 53 Buchstaben, philosophische Sätze von Rousseau, das Andenchalet des Medienmoguls Morloch, ganze Städte fernsehlos ohne Strom, Kamingespräche mit Peter Sloterdijk und Martin Walser, Bratwursttorten von einem berühmten Fernsehkoch und eine Live-Schaltung zu VERSTEHEN SIE SPASS &#8230; Und so beginnt ein verbaler Amoklauf, ein Rundumschlag gegen die Welt, ein Parforceritt durch immer neue Wendungen und Steigerungen, eine Publikums- und Fernsehbeschimpfung, ein Blick zurück im Zorn und ein Blick in eine fernsehgerechte Zukunft, aus der es kein Entkommen mehr gibt.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: center;"><img title="Tier mit drei Buchstaben.5" src="http://joachimzelter.de/wp-content/uploads/2010/07/Tier-mit-drei-Buchstaben.5.jpg" alt="" width="453" height="301" /></p>
<p style="text-align: center;"> </p>
<p style="text-align: center;"><img title="Tier mit drei Buchstaben" src="http://joachimzelter.de/wp-content/uploads/2010/07/Tier-mit-drei-Buchstaben.jpg" alt="" width="453" height="301" /></p>
<p style="text-align: center;"> </p>
<p style="text-align: center;"> </p>
<p><iframe width="560" height="349" src="http://www.youtube.com/embed/DOHssOyhUSo" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: center;">  </p>
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