Andreas Gebhardt, Famose Polit-Satire (Hessische / Niedersächsische Allgemeine Zeitung, 07.03.2011):

Eine beklemmende wie desillusionierende Satire auf die aufgeblasene Leerlaufmaschine Politikbetrieb, tragisch und auf rührende Weise komisch.


Matthias Kehle, Poetische Satire über die Macht (Badisches Tagblatt, 28.02.2011):

Unter den deutschsprachigen Romanciers ist Joachim Zelter einer der größten Stilisten. Beiläufig demontiert er die deutsche Sprache und ihre nichtssagenden Floskeln, und zwar buchstäblich, indem er Urspring zum naiven Kind macht, das nur Fragmente sprechen kann. Erschreckend ist, wie genau Joachim Zelter politische Realität abbildet und als wie austauschbar er selbst politisches Führungspersonal entlarvt. Die Welt der Politik setzt er gegen die Welt des Menschlichen. Zelters Sprache hingegen ist hochmusikalisch und glasklar. Quasi als Kontrapunkt zur politischen Leere, die mit Worthülsen kompensiert wird, erzählt Zelter ohne jedes überflüssige Wort, frei von jeder Attitüde, zugleich schlicht und komplex, wie eine Komposition von Bach.

 

Kai Doering, Der Schauspielpräsident (vorwärts.de):

Im Stile eines Wolfgang Koeppen zeichnet Joachim Zelter ein schonungsloses Bild der deutschen Politik. Ging es in Koeppens „Im Glashaus“ um die Anfänge der „Bonner Republik“, konzentriert sich Zelter auf die medienzentrierte Politik der heutigen Bundesrepublik. In einer Welt, in der allein Inszenierung und der schöne Schein zählen, verkommt Politik zur Symbolhandlung. Politiker werden zu Mittelklasseschauspielern. Joachim Zelter hält dieser Welt einen Spiegel vor. Die Interpretation bleibt dem Leser selbst überlassen. In einfacher, aber eindrücklicher Sprache hat Zelter mit „Der Ministerpräsident“ eine wunderbare Parabel geschrieben, die ihm zu Recht eine Nominierung für den diesjährigen Deutschen Buchpreis eingebracht hat. Zelters „Held“ Claus Urspring lässt den Leser mitleiden, mit hoffen, mit verzweifeln. Am Ende wird er frei sein – und gleichzeitig ein Gefangener in einer Welt, aus der es irgendwann kein Entrinnen mehr gibt.


Kai Agthe, Sinkende Umfragewerte. (Ostthüringer Zeitung, 24.12.2010):

Eine in ihrer Schwärze brillante Satire auf die Politik und deren mächtig-ohnmächtige Protagonisten.


Tempogeladener Wahlkampf (Schwarzwälder Bote, 15.12.2010):

Oettinger? Mappus? Das spielt für diesen tempogeladen erzählten Wahlkampf-Roman keine Rolle. Bloße Fiktion? Vielmehr entlarvt der in Freiburg geborene Schriftsteller neuerlich, wie nah die Realität dem Absurden schon ist.

 

Christel Freitag, Der Ministerpräsident (NDR. 13.12.2010):

Eine bitterböse und streckenweise urkomische Satire. Und eine absolute Leseempfehlung.


Wolfram Frommlet, Was muss der Politiker sagen? (Schwäbische Zeitung, 03.12.2010):

Eine sprachlich brillante Satire.


Johannes Schaack, Großer Mann, was nun? (literaturmarkt.info):

Ein fulminantes Buch mit dem Zeug zum Kult-Klassiker, das jedem Bücherfreund vor Augen führen wird, warum er gerne liest.

 

Wolfgang Brenner (Xaver, November 2010):

So rund und knackig wie nie, so gewohnt geistreich und verwegen geschrieben wie immer.  Zelters jüngstem Buch hätte man mehr gewünscht als nur Aufnahme in die Longlist der 20 Nominierten für den Deutschen Buchpreis 2010.


Cord Beintmann, Und zwar. Und zwar jetzt. (Stuttgarter Zeitung, 15.10.2010):

Politik ist bei Zelter eine Welt des Scheins, der Propaganda, der bloßen Hülle ohne Inhalt. Natürlich ist das nichts Neues. Doch Zelter hat seine These witzig und raffiniert in Fiktion gegossen. Sein Kunstgriff ist simpel wie bestechend. Mit der Erfindung des tumben Toren Claus Urspring, der zur Marionette seiner Partei wird, kann sich Zelter genüsslich über die Hohlheit hermachen, die Politik nicht selten auszeichnet. [...] Joachim Zelter zieht den Leser mit Macht und mit zugleich großer Leichtigkeit durch seinen Erzählstrom. Es gibt keine Kapitel, atemlos gleiten die Sätze voran. Man glaubt de Erzähler flüstern zu hören, in der charakteristischen Zelter’schen Scheinnaivität, hinter der sich maliziöse Schärfe verbirgt.


Walter Brunhuber (Buchrpofile / Medienprofile, Heft 4, 2010):

Eine Geschichte, die mitten in den Zustand unserer Mediendemokratie zielt. Humorvoll und treffsicher.


Veit Müller, Fein geschliffene Satire (Reutlinger General-Anzeiger, 05.10.2010):

Diese geschliffenen Sätze, dieser feinsinnige Humor, der so locker daher kommt, der aber oft bitterböse sein kann und der gekonnt die Phrasen von (Un)Menschen mit ein paar gezielten Worten bloß stellt, die ganze gekonnte Rhetorik, das ist der Joachim Zelter, wie man ihn von seinen Lesungen und Büchern kennt und schätzt.


Wolfgang Tischer (literaturcafe.de):

Wie schon in seinen anderen Werken schafft es Zelter meisterlich, dass seine Handlung ein leichtes Übergewicht ins Absurde erhält, ohne dass dies auffällt. Beim Lesen verschwimmt diese Grenze, und trotz der Absurdität wirkt die Geschichte glaubhaft. Genauso könnt es passieren – wenn nicht jetzt, dann demnächst.


Peter Ertle, Unter dem Rad. Auf dem Rad (Schwäbisches Tagblatt, 01.10.2010):

Der Ministerpräsident ist ein Buch über den Irrsinn des Politikbetriebs, in dem es um Öffentlichkeitswirkung, Wählerstimmen und Umfragewerte geht. Also um Schein statt um Sein. Ein Ewigkeitsthema. Und eine Ewigkeitsfigur: der Narr. Denn durch seinen Unfall und die dort erlittenen Defizite wird Urspring zumindest teilweise in den Stand eines Kindes versetzt, erhält auch ein gewisses Maß an amoralischer Anarchie. Das ist befreiend komisch. Das Sujet ist klar, die Geschichte übersichtlich, wie aus einem Guss erzählt. Diese Einfachheit ist neben dem traumsicheren Sprachgefühl der Trumpf dieses Romans. Er ist grobkörnig, aber sehr genau. Er überzeichnet, stellt heraus, schert sich wenig um Glaubwürdigkeit dort, wo sie ihm nicht wichtig erscheint, erlaubt sich hier sogar ab und an einen Spaß, als wollte er sagen: Habe ich nicht nötig. Dort wo es allerdings nötig ist, trifft er allerdings zielsicher, das ist sein Realismus, der Realismus eines Satirikers.


Michael J.H. Zimmermann, Nachruf auf Hannah (Badische Zeitung, 01.10.2010):

Es ist nicht sicher, ob Joachim Zelter, der den Unfall eines Dieter Althaus als Anregung nutzt für die großartige Satire eines scharfsinnigen (und scharfzüngigen) Beobachters der politischen Szene und der so witzig wie geistreich mit seiner Demaskierung des Habitus in der Welt des politischen Auftretens so neue Bahnen beschreitet, wie manche meinen. Es ist nicht sicher, ob er die Wirklichkeit überzeichnet in einer Welt, in der es, mit Juvenal zu sprechen, difficile est saturam non scribere. Sicher aber ist, dass ihm ein unterhaltsames, zuletzt betrübendes Buch gelungen ist über die Kälte der Macht, die keine Gnade kennt und kein Erbarmen: nur Berechnung, Tricks und faulen Zauber um den Preis der Aufgabe einer freien Persönlichkeit.


Anne von Blomberg (Readme):

Ein Buch, das  sich zu lesen lohnt. Aus mehreren Gründen. Weil es ungeheuer präzise die Folgen einer Gehirnschädigung beschreibt und wie die Umwelt damit nicht umgehen sollte. Weil Zelter so schön wie kitschfrei den Mut des Kranken und seine langsam erwachende Zuneigung zu Hannah schildert. Weil man das Buch aber außerdem als Polemik gegen die Politiker von heute lesen kann und als Politsatire. Oder als Entwicklungsroman von einem, der gezwungen wird, das Leben neu zu lernen. Ich wünsche dem “Ministerpräsidenten” viele, viele, viele Leser!


Tobias Lehmkuhl (Cicero. Magazin für politische Kultur,  Oktober 2010):

Die gute Satire nämlich lässt den Leser glauben, dass all dies, so unwahrscheinlich es klingt, doch möglich und vielleicht sogar längst Wirklichkeit ist. Dass sie, in diesem Fall, auch prächtig unterhält, darf nicht vergessen werden.


Thomas Völkner (Hamburger Lokalradio, 03.10.2010):

Eine Romansatire, die den Politikbetrieb auf wunderbare Weise betrachtet und dessen Schwächen und Verfehlungen offenlegt. Dabei kommt es dem Autor nicht darauf an, einfach einen Kübel Jauche über irgendwelche Politiker auszugießen. Er geht bei seiner Kritik sehr behutsam vor und fördert gleichzeitig eine Vielzahl erhellender und witziger Einsichten ans Tageslicht. [...] Eine tolle Lektüre.


Julia Encke (WDR5 “Bücher”, 26.09.2010):

Joachim Zelter hat eine wunderbar komische Polit-Satire geschrieben. Er nimmt die Formelhaftigkeit politischen Sprechens ins Visier. Ein absurdes und scharf beobachtetes politisches Sittenbild.


Judith von Sternburg, Der Name seiner Partei kommt ihm bekannt vor (Frankfurter Rundschau, 18.09.2010):

Überhaupt werden einem Gesichter von Mächtigen vorschweben. Zelter macht sie zu Individuen, wenn auch nicht zu klugen. Er verharmlost nichts, vielmehr führt er den Wahlkampf als Desaster der Demokratie vor. Und doch gibt es keinen Grund anzunehmen, er würde seine Figuren nicht mögen. Selbst Ursprings Mitarbeiter, ein Parteisoldat ohne Ideale über den Wahlsieg hinaus, rackert sich doch ab, gibt sein Bestes. Das ist einmal ein Roman, dem wirklich viele Leser zu wünschen sind, am liebsten auch jüngere Menschen, die sich in Parteien engagieren. Auch wenn man gerade gelernt hat, dass Politiker nicht im Traum auf den Gedanken kämen, ein Buch zu lesen.


Gregor Kreuschnig, Eine gelungene Demaskierung (Glanz und Elend. Magazin für Literatur):

Joachim Zelters brillante Politsatire bedient sich eines feinen, aber nicht minder schneidenden Humors. [...] Neben der indirekten Rede wecken auch die herrlichen Wortschöpfungen wie vielverheißend, Unabwendbarkeit, Erleichterungsapplaus oder Fehlervermeidungsreden Assoziationen an den frühen, ekstatischen Thomas Bernhard. Es gibt zwei Möglichkeiten, auf dieses Buch zu reagieren: Man erschrickt ob der Übereinstimmungen zwischen diesem Wahlkampf und der sich zeigenden Realität. Oder man sieht zukünftig in jedem Ministerpräsidenten einen potentiellen Claus Urspring, der sich viel lieber seiner Sehnsucht nach Erinnerungen hingeben möchte statt einen “Playback”-Wahlkampf zu führen. Also Furcht oder Mitleid? Ich habe mich für das Mitleid entschieden.


Anton Philipp Knittel, Es sind Wahlen, und der Spitzenkandidat weiß von nichts (Heilbronner Stimme, 15.09.2010):

Die Stoßrichtung des Romans ist keine platte Politsatire. Es geht mit dem Fall Claus Urspring vielmehr um die Inszenierung des Scheins, das Funktionieren und Scheitern von Rollen, die nicht nur für Politiker gelten.


Anton Philipp Knittel, Grüß Gott. Und Ade (Literaturkritik.de):

Der Unfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus mag ein Anknüpfungspunkt für den Roman Zelters gewesen sein. Zudem mögen dem Leser Eigenschaften anderer Politiker oder politische Kampagnen (wie ›Wir können alles außer Hochdeutsch‹) bei der Lektüre des Romans in den Sinn kommen. Die Stoßrichtung des »Ministerpräsidenten« ist eine andere. Zelter geht es mit dem Fall Claus Ursprings nicht um eine wohlfeile Politikerschelte oder um eine billige Politiksatire. Der promovierte Anglist zeigt vielmehr die Inszenierung des Scheins, das Funktionieren und Scheitern von Rollen, die nicht nur für Politiker gelten. Zelter zeigt  einen um Individualität ringenden Menschen, einen weisen Narr im klassisch-tragikomödischen Sinne. Entstanden ist dabei ein gleichermaßen witzig-komischer wie nachdenklich stimmender Roman.


Sigrid Lehmann, Willenloser Spitzenkandidat (Neue Osnabrücker Zeitung, 13.09.2010):

Atemberaubend schnell, prägnant und witzig, aber mit melancholischem Unterton. [...] Ministerpräsident Claus Urspring wacht nach einem Verkehrsunfall ohne Gedächtnis und motorisch beeinträchtigt aus dem Koma auf. Für seinen besessenen Berater März eine Katastrophe: Der Spitzenkandidat ist vor dem Wahlkampf arbeitsunfähig! So setzt März alles daran, den Schein von Ursprings Gesundheit aufrechtzuerhalten. Der fügt sich willenlos den Anweisungen seines ständigen Beraters und gibt die geforderten Wörter von sich, mit denen Tontechniker Reden zusammenbasteln. Urspring braucht im Wahlkampf nur noch die Lippen zu bewegen, alles läuft nach dem Konzept „Political Play-Back“. Damit Wechselwähler bei dem Anblick eines hinkenden Ministerpräsidenten nicht gleich wegschauen, erscheint Urspring von nun an nur noch auf einem Rennrad. Das Ganze wird der hingerissenen Öffentlichkeit als Kampagne zur Vermeidung von CO2-Ausstößen verkauft. Selbst fällt Urspring nichts mehr ein, nicht einmal mehr der Name der Partei, für die er kandidiert. Seine Redenschneiderin Hannah findet einen Politiker, dem nichts mehr einfällt, „wenigstens ehrlich“. Sie macht Sprachübungen mit ihm, z.B.: Mit der Zunge „Tatsachen schleudern“, „gelangweiltes, blasiertes Gähnen“.


Dimo Rieß, Double seiner selbst (Leipzig Live / Leipziger Volkszeitung, 08.09.2010):

Zelter lässt seinen Patienten die Amnesie mit bemerkenswerter Gelassenheit erleben. Es schwingt nahezu Erleichterung mit, dem Druck des vorherigen Lebens entronnen zusein. Im Vergessen findet Urspring seine Menschlichkeit wieder. [...] Ein Roman, der der Politik vergnüglich den Spiegel vorhält. Ebenso dem Wähler, der dem leeren Schein folgt.

 

Christoph Schreiner, Politisches Playback (Saarbrücker Zeitung, 28./29.08.2010):

Eine politische Parabel: Wähler sind Mittel zum Zweck. Dieser heißt Macht, Überzeugungen sind Nebensache, Inszenierung ist alles; alles ist Inszenierung. Die Demaskierung von Auswüchsen des heutigen Politbetriebs gelingt dem Roman spielend.


Tobias Lehmkuhl (Süddeutsche Zeitung. 27.08.2010):

Auch deswegen hat der Fall Urspring wenig mit dem Fall Althaus zu tun: Urspring hat niemanden in den Tod, nur sich selbst ins Vergessen gerissen. Dadurch wird er selbst nach und nach zum Opfer, zum Spielball politischer Macht. Erwartet man anfangs noch, dass die Tontechnikerin Hannah seine Rettung sein könnte, so lässt sich Zelter auf ein solch billiges Happy End nicht ein. Worauf sich Zelter hingegen verlässt, ist die Sogwirkung von Konjunktiv und indirekter Rede, ist die Eingängigkeit kurzer Sätze. Vorwerfen darf man ihm das keineswegs. Denn “Der Ministerpräsident” will nicht mehr sein, als er ist: eine gute, eine kurzweilige Satire.


Jobst-Ullrich Brand, Puppenspiel der Macht (Focus Online, 27.08.2010):

Es ist eine bitterböse, am Schluss sehr traurige Satire, die Zelter erzählt. Sie entlarvt den Politikbetrieb als zynische Inszenierung. Als übles, unmenschliches Schmierentheater. Und sie zeigt, warum womöglich so viele Akteure in letzter Zeit die Lust daran verloren haben – von Köhler über Koch bis Ole von Beust.


Magdi Aboul-Kheir, Der soufflierte Mensch (Südwest Presse, 25.08.2010):

Eine komische, prägnante Satire auf den politischen Betrieb, zugleich eine zartbittere Trauerschrift über die Entfremdung der Politik von den Menschen – von den Menschen, die sie betreiben, als auch von den Menschen, denen sie gilt.