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UA: Zimmertheater Tübingen
Regie: Christian Schäfer
Besetzung: Robert Arnold, Vilmar Bieri, Hannah Kobitzsch, Moritz Peters, Nicole Schneider
Ausstattung: Hella Prokoph
Uraufführung: 18.02.2010

Infos: Zimmertheater Tübingen
Rechte:
Hartmann & Stauffacher

 

PRESSE:


die deutsche bühne  |  04.2010

Der gelernte Anglist Zelter hat seine Demenz-Dramödie von der Professorendämmerung geschickt mit jener anderen, viel älteren Geschichte einer Verstörung verknüpft, mit Shakespeares „König Lear“. Denn auch Lear gleitet ab in den Wahn, verliert Hab und Gut, Verstand und Güte. Der närrische Alte, am Ende ist er die gespaltene, disparate Person aus Eiger und Lear: Ein starkes Stück, das sich als Gratwanderung erweist, als ein Ritt auf der Rasierklinge, immer kurz vorm Scheitern – doch Respekt: das Wagnis gelingt.

 

Theater der Zeit  |  04.2010

„Lieber ein unglücklicher Philosoph als ein glückliches Schwein!“ Dieses Diktum nach Sokrates, das Bieris Professor noch bei klarem Verstand ahnungslos in die Gegend posaunte, wird bei Zelter vom Kopf auf die Füße gestellt. Sein Stück versucht, das Entschwinden des Ichs als Existenzform anzunehmen.

 

Esslinger Zeitung  |  03.03.2010

Und so gelingen den Tübinger Schauspielern starke Porträts. Allen voran überzeugt der Professor, dessen tragische Fallhöhe der Dramatiker Zelter erschütternd zeigt. Die Anspielung auf Shakespeares alten König Lear ist da nicht übertrieben. Seine Sprachkraft war das Rückgrat von Helmut Eiger, den der Schauspieler Vilmar Bieri vielschichtig darstellt. Er entlarvt die Hohlheit wissenschaftlicher Rituale, verheddert sich in Eitelkeit und macht schließlich den Verlust der Sprache erfahrbar.

 

Südwest Presse  |  02.03.2010

Zelter lässt einen brillanten Geistesriesen, der all sein Sinnen und Trachten auf den Lebensraum Uni ausgerichtet hat, in seiner Welt verkümmern und verdämmern, am Ende gar in einer heillosen Demenz. Eine Gratwanderung und ein Ritt auf der Rasierklinge, den Zelters Stück und Christian Schäfers Ur-Inszenierung unternehmen. Dass dies weitgehend gelingt, liegt auch an Schauspielern wie Vilmar Bieri, der den Giga-Gelehrten Helmut Eiger (genannt die „Eiger-Nordwand des Denkens“) eben nicht als reine Abziehfolie des kranken Vorbilds wiedergibt, sondern ihn mit satten Suaden à la Thomas Bernhard und viel Situationskomik versieht. […] Ein beeindruckender, stellenweise auch bedrückender Theaterabend.

 

SWR2  |  20.02.2010

Als Retrospektive bekommt der Zuschauer vom durchweg glänzend spielenden Ensemble des Zimmertheaters die letzten Jahre des Ehepaars Eiger vorgeführt. Zelters beklemmende, sprachlich brillante Dialoge entfalten dabei einen ungeheuren Sog. […] Neben dem Drama um Walter Jens liefert auch die Shakespeare-Tragödie „König Lear“ Vorlagen für Joachim Zelters neues Bühnenstück. Nicht nur, dass die Enkelin des Professors denselben Namen trägt wie Lears Lieblingstochter Cordelia. Auch das Motiv des nackten, unbehausten Menschen, der seiner Würde beraubt, nunmehr Trost in der Natur findet und dessen Geist sich mehr und mehr verdunkelt – auch das ist Shakespeare. Und Jens. Und Zelter. Diese kunstvolle Überlagerung ist es denn auch, die aus dem „Professor Lear“ ein wirklich gelungenes Theaterstück macht.

 

Schwäbisches Tagblatt  |  20.02.2010

Eine Demenzdramödie, eine auf Dialogbereitschaft geschaltete Thomas-Bernhard-Groteske. […] Auch wenn Christian Schäfers Inszenierung entsprechend loslegt: Zelters Stück ist keineswegs die übliche Kleinbürgergroteske im Generationenclinch. Der fast schon geniale Kniff besteht darin, dass Shakespeares Tragödie vom Unglückkönig Lear in ein heutiges Leben einsickert, das wiederum von chronischem Gedächtnis- und Persönlichkeitsverlust zerstört wird.

 

Stuttgarter Nachrichten  |  20.02.2010

Beschreibt die Symptome des unaufhaltsamen Abgleitens eines Heroen des Intellekts in die Tiefen der Demenz. In schlaglichtartigen Rückblenden beschreibt der Autor diesen schleichenden zerfall einer Persönlichkeit. Dabei gelingt Zelter die genaue Beschreibung eines Weltfremden. […] Gut zweieinhalb Stunden dauert Christian Schäfers von der ersten bis zur letzten Minute spannende Uraufführungsinszenierung des „Professor Lear“. […] Bildstarke Szenen, die an Thomas Bernhards beißende Tragikomik erinnern.


FAZ   |  20.02.2010


[Leider stellt die FAZ derzeit zitierende Werknutzung in Rechnung. Deshalb können Zitate aus dieser Zeitung über mein Stück hier nicht mehr veröffentlicht werden.]