UA: Neue Bühne, Senftenberg
Regie: Sewan Latchinian
Uraufführung: 01.12.2007
Rechte:
Whale Songs Hamburg


  

PRESSE:


Schwäbische Zeitung | 11.12.2008

Arbeitslose erleben Horrorvision

Mit beißender Ironie hat die Neue Bühne Senftenberg die Satire “Sphericon – Schule der Arbeitslosen” nach dem Roman von Joachim Zelter auf die Bühne gebracht. Im Brennpunkt stehen nicht nur Arbeitslose, sondern auch ein immer und überall präsenter Staat – eine Horrorvision. Was anfangs noch komödiantisch ist, wird zum beklemmenden Alptraum.


Dresdner Neueste Nachrichten | 07.12.2007 Gabriele Gorgas

„Deutschland bewegt sich“ – wohin?

In der behutsamen, nur wenig überzeichnenden Inszenierung von Sewan Latchinian – das macht die Vorstellung noch eindringlicher – erleben wir die erschreckende Vision eines fast perfekten Ein- und Auslagerungsapparates. Geschaffen, um das „Nichts“ zu verwalten, mit der Möglichkeit, eine Millionenschar von Arbeitslosen ohne „Mitleid, Fremdmitleid, Selbstmitleid“ gänzlich aufzulösen, sie in die Wüste zu schicken.

  

Der Tagesspiegel | 06.12.2007 Britta Weddeling

Theaterhoch in der Niederlausitz: Wie die Neue Bühne Senftenberg Arbeitslosen Mut macht

„Sphericon“, wie Autor Joachim Zelter das fiktive Arbeitsbeschaffungsprogramm der Bundesagentur nennt, vernichtet jeden Stolz gnadenlos. Und es schreibt aus den verfehlten Lebensläufen einfach neue. Wer keinen Auslandsaufenthalt vorzuweisen hat, denkt sich einfach einen aus. (…) Nächtliche Verhöre, Isolationshaft und eine Essensausgabe, die nach der Leistung der Arbeitslosen bemessen ist, sind in dieser düsteren Vision Teil der Transformation des Arbeitslosen zum Bewerbungsprofi, zum Träger des Certificate of Professional Application.


Frankfurter Allgemeine Zeitung | 05.12.2007 Irene Bazinger

Weg mit dir. „Schule der Arbeitslosen“ im Theater Senftenberg

Wenn am Schluss die Absolventengruppe zum Einsteigen in ihr Flugzeug gerufen wird, öffnet sich eine Seitenwand und Schneeflocken toben durch heftig scharfen Wind von rechts herein. Das ist in Senftenberg nicht nur symbolisch gemeint, doch das Theater immerhin stemmt sich auch gegen derlei Unbill furchtlos und mit Erfolg.


Lausitzer Rundschau | 04.12.2007 Hartmut Krug

Erschreckend gelungen

Dass jetzt gleich zwei Theater sich mit dem Thema Arbeitslosigkeit beschäftigen, hat sicherlich mit der besonderen Qualität von Joachim Zelters „Schule der Arbeitslosen“ zu tun. Es arbeitet mit analytischer Schärfe und grellem Humor heraus, dass Arbeitslosigkeit kein Charakterfehler ist, sondern ein Strukturproblem der Gesellschaft. (…) Insgesamt ist der Neuen Bühne Senftenberg eine beachtliche Inszenierung gelungen, mit dem ein politisches Zeitstück für das deutsche Theater gewonnen wurde.


Deutschlandradio | 02.12.2007 Hartmut Krug

Eine erbarmungslose Groteske

Sewan Latchinian inszeniert “Die Schule der Arbeitslosen”

Wenn jetzt gleich zwei Theater, die Bühnen von Osnabrück und Senftenberg, gestern das Thema Arbeitslosigkeit mit der Bühnenversion von Joachim Zelters Erfolgsroman “Schule der Arbeitslosen” zur so genannten “Ring”-Uraufführung brachten, muss diese besondere Qualitäten besitzen (…) Sewan Latchinian entwickelt Zelters düstere gesellschaftliche Horrorvision aus einem spielerischen und partiell komödiantischen Realismus heraus, der den Identitätsverlust der Menschen umso schmerzhafter wirken lässt. (…) Wenn Inga Wolff als Karla, 33jährige Floristin, bebrillt, schmal und scheinbar unscheinbar, sich als erste schüchtern hineinzwängt in den Raum und von ihrer Hoffnung aufs Lager erzählt, sich und uns dabei staunend beschwört, äußerlich gehemmt, aber irgendwie doch innerlich bei sich scheint, dann ist mit dieser (schauspielerisch hinreißenden) Eingangsszene ein wunderschönes Hoffnungsbild an den Anfang gesetzt, – gegen die folgenden eiskalten Szenen, in denen Menschen zu Material gemacht werden. Wie Inga Wolff mit gestisch-mimischer Variabilität bis hin zu chaplinesker Komik einen Menschen spielt, der kein Widerständler ist, aber ein Individuum bleibt, der vergeblich versucht, wie gewünscht zu funktionieren, das lässt die Wärmeströmung ihrer Figur aus der ersten Szene durch die Eiseskälte des ganzen Stückes fließen. Wie ein Hoffnungszeichen wirkt in all ihrer traurigen Komik eine Szene, in der die sexuelle wie emotionale Annäherung an den Trainee Roland scheitert. Denn der entscheidet sich nicht für Karla, sondern für die Bewerbung auf die einzige angebotene Stelle. Eine Stelle, die, böse Pointe, eine Trainerstelle ist, also allein das Ausbildungssystem erhält. Die Ausbilder kommen in Senftenberg nicht als böse Monster, sondern als selbstsicher schicke Erfolgsmenschen daher. Alle funktionieren einfach, und die Grausamkeit kommt aus der Selbstverständlichkeit ihres Handelns. Wie dies ganz unplakativ, ganz beiläufig inszeniert ist, das ist schon beachtlich. (…) Insgesamt eine durchaus beachtliche Inszenierung.