Lesung von Joachim Zelter aus „Briefe aus Amerika“
Fast 60 Schülerinnen und Schüler der Gebhard-Müller-Schule aus drei Leistungskursen Deutsch durften am Dienstag eine Lesung des Tübinger Autors Joachim Zelter besuchen und mit ihm über seine literarischen Arbeiten diskutieren.
Zelter gelang es schon in den ersten Minuten, sein jugendliches Publikum zu fesseln. Er demonstrierte mit Requisiten aus seinem Reisekoffer, wie realitätsnah die Erlebnisse sind, die ihn zu seinem Briefroman anregten
Schmunzelnd betrachteten die Schülerinnen und Schüler T-Shirts, Boxershorts und andere Utensilien, die er nicht nur als Beweis seiner einjährigen Tätigkeit als Dozent für die deutsche Sprache an der renommierten Yale University vorzeigte, sondern auch als Einstieg ins Thema seines Buches verwendete. Dieses befasst sich ironisch-sarkastisch mit den befremdlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen, an die sich ein Europäer gewöhnen muss, der sich mit einem Arbeitsstipendium in Amerika aufhält.
Witzige Passagen über den Grammatikunterricht im Fach Deutsch, der im Lauf weniger Stunden so viel Ausnahmen zu Tage förderte, dass dem Pädagogen der kalte Schweiß ausbrach, die amerikanischen Studenten frustriert davonliefen und der Deutschkurs aufgegeben werden musste, wechseln im Roman mit ernsthafteren, aber deshalb nicht weniger absurden Erzählskizzen über amerikanische Alltagsgewohnheiten. So z. B. wissen Amerikaner sehr genau, wie ein „date“ abzulaufen hat. Wer die Reihenfolge der Ereignisse, die den „dates“ zugeordnet sind, verändert, sieht sich schärfsten Sanktionen ausgesetzt. Letztlich aber wollte Zelter den Jugendlichen nicht eine kabarettistische Vorstellung über Klischees bieten, die Deutsche gegenüber Amerikanern hegen, er wollte vielmehr zeigen, daß Vorurteile immer auf Gegenseitigkeit beruhen. Die Abwertung einer als fremd empfundenen Verhaltensweise beruht oft auf eigenen Ängsten und Tabus, die man erkennen und kritisch hinterfragen sollte.
Abgerundet wurde die Veranstaltung von verschiedenen Fragen der Schülerinnen und Schüler zu den Problemen eines freien Schriftstellers in unserer Gesellschaft, zur Vorgehensweise beim schreiben und vermarkten von Büchern und zu den literarischen Plänen des Autors.